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Schutz

Sichern vor dem Wolf

Diskussion
Helga Gebendorfer
am
16.05.2019

„Wenn sich der Wolf bei uns ausbreitet, sehe ich keine Perspektive für unseren Betrieb“, sagte Schafhalter Robert Lechner in einer Gesprächsrunde mit Bundestagsabgeordneten.

Felizenzell/Obb. Das Thema Wolf ist in aller Munde – besonders die Weidetierhalter, darunter auch Schafhalter, haben Angst um ihre Tiere und befürchten Übergriffe durch das Raubtier. Das war Anlass für ein Treffen bei der Firma Kerbl, die in Zusammenarbeit mit AKO seit Jahren Weidezaungeräte und Elektronetze herstellt. Speziell zur Wolfsabwehr wurden neue Weidezaunsysteme entwickelt.
Jürgen Lückhoff, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL), hatte die Gesprächsrunde organisiert und vertrat mit Robert Lechner, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Bayerischer Schafhalter, die Seite der Praktiker. Zu Gast waren die Bundestagsabgeordneten Artur Auernhammer und Carsten Träger, die in ihrer parlamentarischen Arbeit mit dem Problem Wolf befasst sind.
„Die Schafhalter brauchen den Wolf nicht und haben ihn nicht gewollt. Doch er steht unter sehr hohem rechtlichen Schutz und wir werden langfristig mit ihm leben müssen. Auch wenn uns bewusst ist, dass wir keine hundertprozentige Sicherheit für unsere Tiere erreichen können, müssen wir uns um eine verstärkte Sicherheit für unsere Schafe und Ziegen bemühen“, erklärte Lückhoff. Dabei bieten u. a. die verschiedenen elektrischen Zaunsysteme eine Teillösung zur Verbesserung der Sicherheit. An dieser Stelle informierte Lückhoff, dass das Bundesamt für Naturschutz in Kürze die Empfehlung von 120 cm hohen Elektronetzen veröffentlichen will. Schließlich forderte er die Einrichtung eines Kompetenzzentrums, in dem neben den betroffenen Verbänden der Weidetierhalter und den Bundesländern auch die Produzenten von Sicherheitssystemen einbezogen werden.
Wanderschäfer Robert Lechner bestätigte, dass Weidezaunsysteme genauso wie Herdenschutzhunde nur eine Teilverbesserung darstellen. „Das Problem ist, dass der Herdenschutz nur ein Stück weit funktioniert“, fügte er hinzu. In Süddeutschland ist er nach seiner Auskunft aus verschiedenen Gründen wie kleinstrukturierten Flächen, Kollision mit dem Tourismus, steinigen Böden und personeller Ausstattung, teilweise schwer umzusetzen. „Auch wenn wir wollen, ist das alles nicht zu leisten“, lautete seine Erfahrung. Deshalb befürchtet er das Ende der Weidetierhaltung, falls sich die bisherige Entwicklung fortsetzt. „Wenn sich der Wolf bei uns ausbreitet, sehe ich keine Perspektive für unseren Betrieb, in dem seit 300 Jahren Schafe gehalten werden“, meinte er.
Artur Auernhammer sprach sich für die Wanderschafhaltung auf Naturschutzflächen aus, die einer Verbuschung entgegenwirkt und die biologisch wertvollen Magerrasenstandorte erhält. Deren maschinelle Pflege brächte ein schlechteres Ergebnis und höhere Kosten mit sich. Außerdem stelle die Schafhaltung eine Lösung dar, welche die Gesellschaft forciert. „Ich sehe keine praktikable Lösung für das Problem mit dem Wolf. Deshalb darf die Bestandskontrolle durch Abschuss kein Tabuthema mehr sein“, lautete sein Standpunkt.
Carsten Träger bemerkte, dass hier verschiedene Interessen aufeinander prallen. „Ich begrüße die Rückkehr vom Wolf, doch ich sehe auch handfeste Probleme für die Schafhalter“, betonte er. In den verbesserten Zaunlösungen sieht er einen vielversprechenden Ansatz, der aber nur eine Teillösung sein könne. An dieser Stelle wünschte sich der Abgeordnete, dass die Praxis entscheidend mitredet. Diese Feststellung packte Lechner gleich beim Schopf und lud alle interessierten Politiker in das Altmühltal ein, um sich in seiner Heimat ein Bild vor Ort zu machen.
„Der Wolf ist da. Wir müssen von einer Koexistenz ausgehen und mit Problemen rechnen. Doch es muss gewisse Grenzen geben, alles andere ist Träumerei“, verdeutlichte Lückhoff. Lechner forderte, dass weiterhin eine Zaunhöhe von mindestens 90 cm ausreichen müsse, um bei einem Schaden einen Ausgleich zu bekommen. Jedem Schafhalter sei es natürlich freigestellt, freiwillig einen höheren, eventuell förderfähigen Zaun aufzustellen. „Wir dürfen uns nicht auf ein Wettrüsten einlassen“, so seine Meinung.
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