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Rind

Situation am Milchmarkt weiterhin schwierig

von , am
01.09.2015

<b>Berlin</b> - Michindustrie sieht eine fehlende Mengenregulierung in der EU nicht als Ursache für die derzeitige Marktsituation.

© Maucher
"Die Situation am Milchmarkt stellt sich für Erzeuger und Verarbeiter derzeit als äußerst schwierig und unbefriedigend dar", fasst der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbandes, Eckhard Heuser in Berlin die derzeitige Lage zusammen. Die Gründe für diese Situation seien vielschichtig und in ihren Auswirkungen auf die Entwicklung in den nächsten Monaten schwer einzuschätzen.
Fakt sei, so der Verband, dass die weltweite Milchproduktion in den letzten zwei Jahren in einigen Ländern deutlich ausgeweitet wurde und damit die derzeitige Marktsituation kein nationales oder allein europäisches Phänomen sei, sondern das Ergebnis globaler Verflechtungen. Denn bei guten Bedingungen zur Grundfuttererzeugung für die Milchproduktion und einer gleichzeitigen stetigen internationalen Nachfrage nach Milch und Milchprodukten, bildete sich 2013/2014 eine ungewöhnlich lange Hochpreisphase heraus.
Spätestens mit Beginn des durch Russland ausgesprochenen Einfuhrverbotes für Milchprodukte stelle es sich jedoch zunehmend als schwierig dar, die entsprechenden Mengen zu den hohen Preisen der Vergangenheit abzusetzen. Die Konkurrenz auf den europäischen und internationalen Märkten habe sich erhöht. China wiederum sei innerhalb der letzten vier Jahre zum weltgrößten Importeur von Milchprodukten vor Russland aufgestiegen. Jedoch sei eine nachlassende internationale Nachfrage Chinas in wichtigen Produktsortimenten im ersten Halbjahr 2015 festzustellen.
Das Milchaufkommen der weltweit wichtigsten Exportländer sei im ersten Halbjahr von 2015 nur geringfügig gegenüber den Rekordmengen des Vorjahres gewachsen. Und auch in der EU habe sich das Milchaufkommen im ersten Halbjahr 2015 nur sehr leicht gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht (+0,5 Prozent). Das Auslaufen der Milchquote zum 31.03.2015 habe letztlich die Milcherzeugung nicht so stark stimuliert wie vielfach erwartet wurde. Eine fehlende Mengenregulierung in der EU könne als Ursache für die derzeitige Marktsituation daher nicht herangezogen werden. „Es handelt sich hierbei um ein globales Problem“, so der Verband in Berlin.
Die möglichen Instrumente der EU wie private Lagerhaltung und Intervention stünden für eine Marktunterstützung auf sehr niedrigem Niveau zur Verfügung. Deutliche staatliche Eingriffe in das System aus Angebot und Nachfrage bis hin zu einer starken Erhöhung des Interventionspreises und damit zu erwartenden steigenden Interventionsmengen, würden dagegen eine Verbesserung der grundsätzlichen Marktsituation nur hinauszögern aber nicht grundlegend verändern. Auch nationale Alleingänge zur Förderung der heimischen Landwirtschaft in Zeiten globaler Märkte sollten wie sich radikalisierende Übergriffe tabu sein.
Das „Einfrieren“ der Milchpreise durch Teile des deutschen Einzelhandels werde unterschiedlich bewertet. Einerseits helfe jeder Euro, wenn Verbraucherpreise nicht weiter gesenkt werden. Andererseits sind es gerade die heutigen Ankaufspreise des Handels, die u. a. zu der Preissituation geführt hätten, die nun beklagt würde. Auch mache es wenig Sinn, wenn nur Teilbereiche des Sortimentes „eingefroren“ werden und dies nur von einem Partner. Die Käsereien z. B. litten unter den jüngsten Abschlüssen und könnten somit ihren angeschlossenen Milcherzeugern keine besseren Preise bieten. Milcherzeuger und Molkerei sowie auch Handel, Verbraucher und Politik sollten sich jedoch ihrer Verantwortung für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Milchproduktion mit auskömmlichen Preisen bewusst sein. Allen Marktbeteiligten müsste dabei bereits in den letzten Jahren mit hohen Preisen klar geworden sein, dass die Volatilität weiter besteht. (pd)
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