Login
Schweinemast

Spermasexing - Traum der Schweinehalter

Spermasexing
Karl Bauer
am
19.04.2018

Das wär’s doch: Im Wurf der Sau sind ausschließlich weibliche Ferkel. Das Thema Kastration wäre damit vom Tisch.

Allerdings sind die Kosten für Spermasexing enorm hoch. Eine weitere Möglichkeit könnte allerdings Gene-Editing bieten.
Wären in allen Würfen ausschließlich weibliche Ferkel, hätte das betriebswirtschaftliche Vorteile. Schließlich können die weiblichen Mastschweine schwerer gemästet werden, bevor sie verfetten. Auch bei der Bestandsführung hätte das positive Effekte: Dann müsste man die Ferkel nicht getrennt geschlechtlich mästen.

Und man hätte im Hinblick auf das Thema Kastration männlicher Ferkel keine Sorgen mehr. Fest steht: Die Mast weiblicher Schweine ist, auf die gesamte Schweineproduktion bezogen, lohnender als die von Ebern und Kastraten, wobei letztere noch den Ebern vorzuziehen wäre. Ihnen haftet allerdings der Makel an, dass sie früher verfetten und damit ihr Schlachtzeitpunkt früher angesetzt werden muss, als bei weiblichen Mastschweinen. Es wäre also von großem Vorteil, wenn man es hinbekommen könnte, dass nur weibliche Ferkel geboren und zur Mast aufgestellt werden.

Man kann das Sperma der Zuchteber sexen

„Wir könnten das Sperma der Zuchteber sexen“, erklärt Prof. Dr. Detlef Rath vom Institut für Nutztiergenetik, das zum Friedrich-Loeffler-Institut in Mariensee (Niedersachsen) gehört. Er entwickelt und bewertet im Rahmen seiner Arbeit an diesem Institut  unter anderem Verfahren, anhand derer herausgefunden werden soll, wie nur das weibliche Geschlecht bei den Ferkeln eines Wurfes vererbt werden kann – und das zu Bedingungen, die die Wirtschaftlichkeit der Ferkelerzeugung nicht überstrapazieren.

Professor Doktor Rath erklärt: „Dieser ganze Prozess ist technisch inzwischen sehr gut gelöst, aber er ist sehr zeitaufwendig.“ Pro Sekunde werden ungefähr 5000 Spermien für eines der beiden Geschlechter bestimmt, sodass man pro Stunde rund 20 Mio. sortierter Spermien mit sehr hoher Reinheit (mehr als 90 %) erhält.

Was bedeutet das nun für die Besamung? Normalerweise werden Sauen mit mehr als 1,5 Mrd. Spermien besamt. Wenn man mit modernen Besamungstechniken mit etwa 100 Millionen Spermien auskommt, benötigt man rund 5 Stunden, um genügend Spermien für eine erfolgreiche Besamung zu sammeln.

Anders ist die Situation beim Rind. Hier genügen 2 bis 3 Mio. Spermien für die Besamung mit gesextem Sperma. Daher ist die Rinderbesamung mit gesextem Sperma durchaus „üblich“ geworden. Beim Schwein ist es aber unwahrscheinlich, dass die Durchflusszytometrie als ein geeignetes Verfahren zu nutzen ist, weil einfach die notwendige Menge an gewünschten Spermien nicht bereitgestellt werden kann.

Was ist aus all dem zu folgern? Für die Besamung von Sauen in den Beständen wird die Sortierung der Spermien über das Verfahren der Durchflusszytometrie nicht praktikabel sein. Aufwand und Nutzen stehen hier zumindest zurzeit nicht in einem nutzbaren Verhältnis. Außerdem ist die gesamte Technik mit vielen Patenten geschützt und wird zu einer Monopolisierung der Genetik führen, wie man sie bereits aus der Pflanzenzucht mit allen Nachteilen nur zu gut kennt.

Das Gene Editing bietet eine neue Chance

Aber es könnte in Zukunft etwas geben, was eine preisgünstige und breit einsetzbare Alternative bietet. Das Verfahren nennt sich „Gene editing“, was mit „Schneiden von Genen“ umschrieben werden könnte. Forscher haben kürzlich herausgefunden, wie sich Bakterien gegen Virenangriffe schützen und eine Art Immunsystem aufbauen. Dazu verwenden sie eine sehr präzise „molekulare Schere“.

Dieser Mechanismus lässt sich zum Beispiel auch bei den Chromosomen von Säugetieren anwenden und man kann Spermien herstellen, denen die Information fehlt, die Hodenanlage im Fötus zu entwickeln. Es entstehen also neben den weiblichen Ferkeln genetisch männliche, die aber keine Hoden mehr haben.

Allerdings steht die Erforschung dieses Verfahrens erst sehr am Anfang und man wird sehen, ob es sich in der Praxis durchsetzen wird. Die Chancen scheinen nicht schlecht. Die Probleme mit der Kastration wären damit endgültig beseitigt.
Allerdings ist für die Anwendung dieser Technik noch das Urteil des Gesetzgebers abzuwarten. Er könnte diese als einen „verbotenen Eingriff in die Erbsubstanz“ beurteilen.

Es ist also noch lange nicht in Sicht, wann die Kastration männlicher Mastschweine tatsächlich überflüssig wird. Bis dahin sollte man sich für den sogenannten vierten Weg entscheiden.

Auch interessant