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Ferkelkastration

Statt Tierschutz oft Eigennutz

Ferkel-Aufzucht
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Andrea Tölle, Wochenblatt
am
02.11.2017

Das Thema betäubungslose Ferkelkastration hängt weiter wie ein Damoklesschwert über den deutschen Ferkelerzeugern. Das müsste schon lange nicht mehr sein.

Andrea Tölle

Denn mit der örtlichen Betäubung durch Lidocain gäbe es eine Lösung, mit der die Landwirte und die Tiere gut leben könnten. Man müsste es nur für Schweine zulassen.

Doch hier sind noch viele Tierärzte dagegen. Der Grund dürfte weniger im Tierleid als in den fehlenden Einnahmen durch die Narkotisierung liegen. Argumentiert wird so, dass es beim Bürger gut ankommt. Und dieser ist leider mittlerweile enorm weit weg von der Realität der Landwirtschaft.

Als ich letzte Woche S-Bahn fuhr, durfte ich zum Beispiel lernen, dass die Bauern den Kühen Antibiotika geben, damit diese schwanger werden. Obwohl also immer mehr Menschen aufs Gymnasium gehen, können sie nicht einmal mehr das ,was sie dort lernen, im Alltag anwenden. Antibiotikum heißt schließlich „gegen das Leben“.

Da Fakten heutzutage also leider immer weniger zählen – auch nicht bei denen, die es wissen müssten – ist die Diskussion müßig und kraftraubend. Und doch ist es sehr wichtig, am Ball zu bleiben und sachliche Argumente zu liefern. Das ist Tierschutz! Denn die örtliche Betäubung ist auch für die Ferkel das Beste. Sie können gleich nach der Kastration wieder saufen, es gibt weniger Erdrückungstode als bei den Ferkeln, die durch die Narkose noch etwas benommen sind.

Hoffnung kommt aus Nordrhein-Westfalen. Dort halten es die Tierärzte für vertretbar, den Landwirten bei nachgewiesener Sachkunde eine lokal eingesetzte Betäubung am Ferkel zu übertragen.

Es wäre wünschenswert, dass auch in Bayern diese Regelung eingeführt wird. Sonst droht die Betriebsaufgabe vieler Ferkelhalter. Und das Fleisch, das in anderen Ländern zu weitaus geringeren Standards produziert wird, möchte ich nicht so gerne essen.

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