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Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Tierwohl ist mehr wert

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Christine Endres, Fleckvieh
am
28.09.2016

München - Höhere Anforderungen an die Tierhaltung müssen auch entlohnt werden.

Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Die derzeitigen Haltungsbedingungen eines Großteils der  Nutztiere sei nicht zukunftsfähig. Mit dieser Aussage heizte der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vor einigen Monaten eine ohnehin schon rege Debatte weiter an. Simon Michel-Berger, der Stellvertrende Chefredakteur vom Wochenblatt, stellte diese Aussauge beim Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF erneut zur Diskussion.
Für Jutta Saumweber, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, muss sich beim Tierschutz in Zukunft etwas ändern. „Das ist ein Thema, das wir nicht mehr wegdiskutieren können“, betonte sie. Hans Leo, Landwirt und Vorstand der Naturkäserei Tegernseer Land, stellte klar: „Für uns Bauern ist das Tierwohl das allerwichtigste.“ Er betonte, dass seine Tiere Familienanschluss haben und dass es wichtig sei, dass der Landwirt den Kontakt zum Tier nicht verliert. Dass sich die Tierhaltung in den letzten Jahrzenten weiter entwickelt hat, erklärte auch Gerhard Stadler, der niederbayerische BBV-Bezirkspräsident. „Auf diesem Weg der Weiterentwicklung ist der Abstand zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung auseinander gegangen“, gab er aber zu bedenken und erklärte, dass man die Tierhaltung der Bevölkerung wieder näher bringen müsse.
Laut Saumweber ist für den Verbraucher beim Thema Tierwohl beispielsweise das Futter- oder Platzangebot wichtig, die Leistung spiele dabei aber keine Rolle. Hier müsse man laut Leo ansetzten, denn die Leistung gehört zur Nutztierhaltung zwingend dazu. Der Berufsstand müsse den Unterschied zwischen Nutztier und Haustier herausstellen, betonte der Landwirt. „Hier müssen wir übersetzen.“ Auch die Ernährungsexpertin stellte den schlechten Informationsfluss zwischen Landwirten und der übrigen Bevölkerung fest. „Die Schere zwischen Landwirt und Verbraucher geht weit auseinander. Wir müssen alle etwas tun, um sie wieder zu schließen“, erklärte sie. Die Werbung, die beispielsweise mit Kühen auf der Weide oft ein unrealistisches Bild der Landwirtschaft vermittelt, verstärke dies nochmals.
Dass die Landwirte jedoch schon lange versuchen, der Bevölkerung zu zeigen, wie Landwirtschaft wirklich aussieht, beispielsweise mit „Tagen der offenen Tür“, stellte Stadler klar. Wichtig ist ihm aber vor allem, dass die Wertschätzung der landwirtschaftlichen Produkte wieder steigt und zusätzliche Forderungen im Bereich Tierwohl auch entlohnt werden.   
Damit die Kunden im Supermarkt am Produkt schnell erkennen, wie hoch der Tierwohl-Standard im heimisch Stall ist, ist derzeit ein staatliches Tierwohl-Label im Gespräch. „Wir fordern verbindliche Standards für ein Label“, machte Saumweber klar und betonte, dass ein staatlicher Eingriff immer verbindlich sei. „Ein Tierwohl-Label bringt Transparenz“, ist sie sich sicher, „die Kunden brauchen etwas, woran sie sich orientieren können.“
Anders die Meinung von Leo, er plädierte klar gegen einen staatlichen Eingriff. „Alles was staatlich ist, ist für den Berufsstand nicht besonders förderlich“, erklärte er. Denn letztendlich gehe es um die Beziehung zwischen Landwirten und Verbrauchern und die verstehen vieles besser, wenn man es ihnen erklärt. Leo forderte deshalb: „Wir müssen einen Schritt weg machen von der Politik.“
Stadler wies zudem auf die ohnehin hohen staatlichen Vorgaben hin und befürchtet, dass alle Betriebe, die die Anforderungen für das Label nicht erfüllen, abgestuft werden. „Höhere Leistungen sind immer mit höheren Investitionen verbunden. Damit müssen wir Landwirte in Vorleistung gehen“, gab er zu bedenken. Dass es mehr Tierwohl aber nicht zum Nulltarif gibt, darüber waren sich alle Teilnehmer einig.

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