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Geflügelhaltung

Tierwohl - Zum Picken und Scharren anregen

Junghennen Pickblock
Dr. Birgit Spindler, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
am
18.01.2018

Nutzgeflügel will fast den ganzen Tag die Umgebung mit dem Schnabel erkunden. Ist das nicht möglich, kann es zu Federpicken und Kannibalismus kommen

Luzerne Geflügel

Daher bietet sich Beschäftigungsmaterial an, das mit dem Schnabel verformbar sein sollte.
Nutzgeflügel ist sehr aktiv. Es ist den Großteil des Tages damit beschäftigt, die Umwelt mit dem Schnabel zu erkunden, immer auf der Suche nach interessanten Objekten, die der Nahrungsaufnahme dienen. Dabei wird gepickt, gescharrt und eine nicht unerhebliche Strecke im Haltungssystem zurückgelegt.

Kann diesem Verhalten nicht hinreichend nachgekommen werden, können schnell Verhaltensstörungen auftreten. Gerade bei Jung- und Legehennen, aber auch bei Puten geraten dann die eigenen Artgenossen in den Fokus. Diese werden bepickt, das Federkleid der Tiere leidet und nicht selten kommt es auch zu blutigen Verletzungen mit weitreichenden Folgen.

Den Stall für die Tiere interessant gestalten

Absperrkette Pute

Um dem vorzubeugen, sollte die Haltungsumwelt so interessant gestaltet werden, dass die Tiere die Möglichkeit haben, ihr Umfeld langanhaltend zu erkunden und ihre arteigene Futtersuch- und Nahrungsaufnahme hinreichend auszuüben. Nicht zuletzt kann so dem Risiko des Auftretens von Verhaltensstörungen entgegengewirkt werden.

Das eingesetzte Beschäftigungsmaterial sollte mit dem Schnabel veränderbar sein. Hierfür bieten sich besonders fressbare, organische Materialien an. Bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass keine hygienischen und futtermittelrechtlichen Bedenken gegen den Einsatz sprechen. Nicht eingesetzt werden sollen z. B. mikrobiologisch oder auch durch Schimmelpilze kontaminierte Materialien, die die Gesundheit der Tiere schädigen könnten. Falls davon ausgegangen werden muss, dass das eingesetzte Material vergleichbar mit Futter aufgenommen wird, sollten diese Materialien auch futtermittelrechtlich zugelassen sein.

Öfter kleine Mengen nachstreuen

Puten Heukorb

Vorausgesetzt die Pflege und das Management stimmen, bildet eine lockere und trockene Einstreu die Basis einer verhaltensgerechten Unterbringung. Das üblicherweise flächendeckend zur Verfügung stehende Einstreumaterial regt dann zum Picken, Scharren und Staubbaden an – die Tiere sind in weiten Teilen des Stalles langanhaltend beschäftigt.

Um die Scharrfähigkeit und die Attraktivität aufrecht zu halten, ist es sinnvoller, weniger (bei Jung- und Legehennen und auch bei Masthühnern reichen anfangs 2 bis 3 cm aus) einzusetzen und dafür nach Bedarf öfter mit neuem Material nachzustreuen.

Darüber hinaus sollten den Tieren dauerhaft weitere Materialien zur Beschäftigung angeboten werden. Einzuplanen ist wenigstens ein Beschäftigungsobjekt für 500 bis 1000 Tiere mit möglichst gleichmäßiger Verteilung im Aktivitätsbereich.

Prinzipiell ist Beschäftigung frühzeitig anzubieten und nach Verbrauch direkt wieder aufzufüllen. Eine besondere Attraktivität geht von auf Kopfhöhe in Netzen aufgehängten Luzerneheuballen aus. Aber auch Pickblöcke verschiedener Härtegrade werden gerne bearbeitet.

In der Masthühnerhaltung ist hingegen der Einsatz von zusätzlichen Beschäftigungsmaterialien für gewöhnlich nicht üblich, obwohl kleine Strohballen oder auch separat angebotene Sandbäder mit verschiedenen Materialien (z. B. Sand, Torf oder feine Einstreumaterialien) bei den Tieren sehr beliebt sind.

Puten lieben Heu und Strohballen

Masthuhn Stroh

Bei der Putenmast ist nach den bundeseinheitlichen Eckwerten zusätzlich zur Einstreu ein weiteres veränderbares Beschäftigungsmaterial dauerhaft einzusetzen. Beim Auftreten von Verhaltensstörungen sollte es auch durch organische Materialien wie Strohballen oder auch Heu in Körben ergänzt werden.

Diese Futtermittel sind bei Puten durchaus beliebt. Die Materialien stellen, vorausgesetzt hygienische (Qualität der Rohware und Lagerung, Gefahr der Kontamination und Schimmelbildung) und gesundheitliche Risiken (zusätzliches Angebot von Magensteinen und nicht zu lange Halme, um die Gefahr der Verstopfung im Magen-Darm-Trakt zu minimieren, Halmlänge bei erwachsenen Puten unter 8 cm, auch um Verstopfungen vorzubeugen) werden berücksichtigt, eine sinnvolle Beschäftigung dar.

Eine Auswahl besonders geeigneter Beschäftigungsmaterialien mit Empfehlungen zum Einsatz ist in der Tabelle aufgeführt. Prinzipiell ist Beschäftigung frühzeitig anzubieten und nach Verbrauch direkt wieder aufzufüllen.

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