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Tierschau

Traumnote fürs schwarze Schaf

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Paul Kannamüller
am
07.06.2018

Beim Schaftag auf der Glentleiten wurde der Bayernchampion der Bergschafe gekürt. Die Jungzüchter zeigten ihr Könnnen und die zahlreich erschienenen Zuschauer kosteten Leckereien vom Schaf und erfuhren Einiges über Wolle.

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Viele gute Eigenschaften werden dem Bergschaf nachgesagt: Beispielsweise neigen die Tiere kaum zur Verfettung und bieten damit feinstes Lammfleisch, während ihre Wolle sich hervorragend verfilzen und verspinnen lässt. Nichtsdestotrotz wären die Farbigen Bergschafe in den 1970er-Jahren beinahe ausgestorben. Dass das Unheil dann doch noch abgewendet werden konnte, ist einigen Züchtern zu verdanken, die einzelne Braune Bergschafe aus den bayerischen Schafherden „zusammensammelten“ und so den Bestand vergrößerten, bis es schließlich 1977 gelang, die Rasse in das Bayerische Herdbuch aufzunehmen.

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Dass sich dieses Engagement gelohnt hatte, zeigte sich auch kürzlich beim großen Schaftag mit Schafprämierung auf der Glentleiten. Diese Veranstaltung stieß auf eine so große Resonanz, dass man sich die wolligen Vierbeiner gar nicht mehr wegzudenken vermag.

Bergschafe sorgen für traumhafte Landschaft

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Derzeit gibt es bei den Schwarzen und Gescheckten Bergschafen nur rund 130 eingetragene Zuchttiere je Rasse in Bayern und beim Braunen Bergschaf nur knappe tausend Stück. „Alle drei Rassen werden auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen als gefährdet bzw. stark gefährdet eingestuft“, erklärte Martin Bartl, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Farbiges Bergschaf (Arge). Zu den Bergschafen gehören alle Rassen, die ursprünglich aus dem alpinen Raum stammen. „Sie pflegen die Kulturlandschaft und haben einen großen Anteil an der traumhaften Landschaft, wie wir sie hier in Bayern kennen“, so Bartl. Das Freilichtmuseum sei ein idealer Ort, um alte heimische Bergschafrassen zu präsentieren.

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Mit der Aktion im Freilichtmuseum Glentleiten wollte die Arge vor allem für den Erhalt der schönen Tiere werben. Gegründet wurde die Arbeitsgemeinschaft 1998. Aus anfänglich neun Züchtern bestehend haben sich in dem Verein mittlerweile über 40 Mitglieder zusammengeschlossen. Im Laufe der Jahre kamen zum Braunen Bergschaf die Rassen Schwarzes und Geschecktes Bergschaf hinzu, die nun allesamt beim großen Schaftag im Freilichtmuseum Glentleiten (Großweil) im Mittelpunkt standen.

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Die Besucher erwartete ein vielfähltiges Programm. Neben dem Preisrichten erhielten sie einen Einblick in die Tätigkeit des Schafscherens. Und beim Genuss einer delikaten Lammkeule in traumhaft schöner Voralpenlandschaft erfuhren sie, wie gut das Schaffleisch schmeckt.

In bester körperlicher Kondition gezeigt

20 Aussteller mit 130 Tieren der Rassen Braunes, Schwarzes und Geschecktes Bergschaf waren nach Großweil gekommen. Darunter war sogar ein Züchter aus Nordrhein-Westfalen. Vom Vorsitzenden der Arge wurde das auch als Zeichen für den hohen Stellenwert dieser Veranstaltung gewertet, „die sehr gut besucht war“. Zur Prämierung waren auch viele alpenländische Schafzüchter und Funktionäre aus den Nachbarländern Italien, Österreich und der Schweiz angereist, die sich von der Qualität der aufgetriebenen Vierbeiner beeindruckt zeigten.

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Zu Preisrichtern waren Max Wagenpfeil (Schafzuchtberater AELF Pfaffenhofen), Josef Kinzelmann, Bergschafzüchter aus Stiefenhofen, Hans Hibler, Bergschafzüchter aus Garmisch-Partenkirchen sowie Michael Strauß, Bergschafzüchter und Preisrichteranwärter aus Längenmoos bestellt. Die Schafe waren laut Bartl bei bester körperlicher Kondition, sodass die Preisrichter auch die äußerst seltene Traumnote 9 vergeben konnten.

Als Tageshöhepunkt wurde unter allen Siegertieren der Prämierung der Bayernchampion im großen Finale gekürt. Hierzu wurden aus den drei Rassen die Rassesieger im Ring ausgewählt. Bei den Gescheckten Bergschafen war dies ein sehr schönes Mutterschaf aus der Zucht Monika Lochner (Wielenbach). Bei den Braunen Bergschafen fiel die Entscheidung zugunsten eines Jung-schafes aus der Zucht Josef Berndaner (Farchant), das vor allem durch seine überragende Bemuskelung aufgefallen ist und dafür die Höchstnote 9 erhalten hatte.

Bei den Schwarzen Bergschafen konnte den Rassesieg ein erst neun Monate altes Lamm aus der Zucht von Martin und Evi Bartl (Freising-Sünzhausen) erzielen. Das typbetonte Tier zeigte eine „enorme Entwicklung“ und hatte zudem eine sehr gute Wolle, wie die Experten urteilten.

Familie Bartl stellt den Bayernsieger

Nachdem alle drei Tiere fast fehlerfrei waren, wurden sie im Finale durch die Preisrichter nochmals genau begutachtet. Schließlich fiel die Entscheidung mit 3:1 Stimmen auf das „Schwarze Bergschaflamm“ Nr. 74 aus der Zucht von Martin und Evi Bartl. Sie erhielten für den Gesamtsieg einen großen Wanderpokal und dürfen nun den Titel „Bayernchampion“ führen. Der Reservesieg ging an die Zucht Berndaner aus Farchant.

Beim Jungzüchtercup am Nachmittag bewiesen die jüngsten Züchter ihr Fachwissen und wer am besten ein Zuchttier präsentieren konnte. Für die Zuschauer gab es an diesem Tag rund ums Schaf viele Stände mit Wolle und Filz zu bestaunen. Außerdem zeigte der amtierende deutsche Juniorenmeister in der Schafschur, Leonhard Mück, wie ein Schaf sauber und professionell geschoren wird. Viel Beifall gab es auch für die Hütehundevorführungen von Claudia Wagner, die in Reisting selbst eine Schafherde besitzt, und dort auch Hütehunde ausbildet. Ihre Bordercollies demonstrierten eindrucksvoll, wie man eine Schafherde zusammenhält. Und wer sein Glück probieren wollte, der konnte auch bei einer großen Verlosung teilnehmen, bei der es Wollprodukte und Erzeugnisse rund um das Farbige Bergschaf zu gewinnen gab.
Bayern ist übrigens das schafreichste Bundesland und hat den größten Bestand an Rassen und Zuchttieren. Zurzeit werden in Bayern 38 Rassen in rund 370 Zuchtbetrieben mit knapp 17 000 Zuchttieren züchterisch betreut. Die Bergschafrassen werden schwerpunktmäßig im Alpen- und Voralpenraum in Oberbayern und Schwaben gehalten. Aufgrund der langabgewachsenen, groben Wolle eignen sie sich vor allem für die Haltung in niederschlagsreichen Gebieten. Als in ihrem Bestand gefährdete Rassen werden Bergschaf, Brillenschaf sowie Alpine- und Krai- ner Steinschaf vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium mit einer Haltungsprämie für Zuchttiere gefördert. Paul Kannamüller
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