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Berlgandwirtschaft

Überlebenskunst

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Max Riesberg, Wochenblatt
am
14.09.2017

Bozen - Landwirtschaft im Alpenraum – unverzichtbar, aber zukunftslos“, so lautet der düstere Titel einer Bestandsaufnahme der Europäischen Akademie Bozen.

Max Riesberg

Und die Reihe schwarzmalerischer Prognosen im Zusammenhang mit den Perspektiven für die Landwirtschaft im Berggebiet ließe sich sicher noch um eine Vielzahl an klugen, hellseherischen Slogans erweitern.

Aber sind das wirklich neue Erkenntnisse? Das Bewirtschaften der Bergbauernhöfe, Almen und Alpen stellt die Bauern seit jeher vor große Herausforderungen. Und das nicht erst seit der Agenda 2000. Überall im weitläufigen und grenzübergreifenden Alpenraum musste man Strategien entwickeln, um sich mit dem Rhythmus und den Entbehrungen, die einem die Natur vorgibt, zu arrangieren. Für die Bevölkerung, die hier fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt war, waren Existenzängste oft etwas Alltägliches.

Die Kunst ist es damals wie heute, dem kargen Land und den spärlichen Ressourcen einen Nutzen für den Menschen abzuringen. Die Extreme, denen man sich dabei gegenübersieht, sind mannigfaltig. Das geht von Muren, Lawinen und Felsstürzen, über große Distanzen und Höhenunterschiede, die es zu überwinden gilt, der Suche nach Wasser und Nahrung, bis hin zu den menschlichen Barrieren beim Miteinander der verschiedenen Akteure und in jedem einzelnen von uns. Am Berg ist man nun mal häufig auf sich allein gestellt.

Doch ist es nicht gerade das, wonach sich in unserer modernen Welt, voller Katastrophen und digitaler Diktatur viele Zeitgenossen sehnen? Das unverfälschte, urige und echte Leben. Zugegeben, auch das wird gnadenlos vermarktet und in Profit umgeschlagen. Ein bisschen gesunden Menschenverstand, den man im Leben mit der Natur einfach braucht, sollte sich jeder bewahren. Die vielen Charakterköpfe, die wir Ihnen in diesem Wochenblatt vorstellen, können hier Vorbildfunktion übernehmen.

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