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Schweinehaltung

Umfrage - deutsche Ferkelerzeuger steigen aus

ISN Umfrage
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
22.08.2018

Über die Hälfte der deutschen Sauenhalter will in den nächsten zehn Jahren aufgeben, nur 12 Prozent wollen noch die Sauenhaltung ausbauen.

Die deutsche Ferkelerzeugung bricht unter der Auflagenflut zusammen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen ISN-Umfrage zur Zukunft der Sauenhaltung, die gestern in Osnabrück der Presse vorgestellt wurde. 645 Ferkelerzeuger von unter 20 bis mehreren tausend Sauen – im Mittel 379 haben bis Ende Juli an der Umfrage teilgenommen. Somit umfasst die Umfrage rund 13 Prozent der deutschen Sauenhaltung. Der Löwenanteil der Betriebe kommt aus Niedersachsen (239 Betriebe) und Nordrhein-Westfalen (190 Betriebe). Aber auch aus dem Süden der Republik sind 148 Betriebe dabei. Allein schon diese sehr gute Beteiligung der Ferkelerzeuger unter Angabe von Namen und Kontaktdaten an der Umfrage, mache laut ISN die aktuelle Betroffenheit in diesem Betriebszweig deutlich. 

52 % der Ferkelerzeuger wollen aussteigen

Deutschlandkarte

Über die Hälfte der deutschen Sauenhalter (52,1 %) denkt in den nächsten zehn Jahren ans Aufgeben. Bei etwa jedem sechsten befragten Betrieb steht der Ausstieg bereits innerhalb der kommenden zwei Jahre bevor.

Noch drastischer sind die Zahlen aus dem Süden Deutschlands: Demzufolge will in den südlichen Bundesländern fast jeder dritte Sauenhalter in den kommenden zwei Jahren aussteigen; langfristig rund 60 %.

Ähnlich deutlich ist die Situation auch ganz im Norden, in Schleswig-Holstein. Noch drastischer einzuschätzen ist die Lage vor dem Hintergrund, dass die an der Umfrage teilgenommenen Betriebe im Mittel mit 379 Sauen deutlich größer sind das Mittel der deutschen Sauenhaltungen (227 Sauen). Das heißt nach Einschätzung der ISN, dass die tatsächliche Ausstiegsrate noch höher sein dürfte.

Besonders die kleineren Ferkelerzeuger betroffen

Denn die Umfrageergebnisse zeigen auch: Je kleiner der Betrieb, desto eher denkt er ans Aufgeben. Bei Betrieben mit bis zu 150 Sauen planen 84,6 % den Ausstieg, circa 38 % innerhalb der kommenden zwei Jahre und 20,6 % in den nächsten fünf Jahren. In der Größenklasse ab 600 Sauen gaben dagegen über 79 % an, die Sauenhaltung fortführen zu wollen bzw. aufgrund der getätigten Investitionen auch fortführen zu müssen.

Auch die Sauenzahl schrumpft

Aufgabe

Lediglich 12 % der befragten Betriebe gaben an, in den kommenden zehn Jahren die Sauenhaltung im Betrieb ausbauen zu wollen. Konkret die Sauenzahl ausdehnen wollen nur ca. 7 % der Betriebe. In der Tendenz sind es auch hier eher die größeren Betriebe, die in die Sauenhaltung investieren wollen.

Beabsichtigte Investitionen in die Sauen bzw. in die Schweinehaltung sind im überwiegenden Teil in zwei Bereichen geplant. Zum einen sind das notwendig werdende Anpassungsmaßnahmen im Deckzentrum und im Abferkelbereich bei jeweils um 16 % der Betriebe. Zum anderen ist auffällig, dass immerhin ein Anteil der befragten Sauenhalter von 15,5 % beabsichtigt, in die Schweinemast zu investieren und somit eine Verlagerung innerhalb der Schweinehaltung von der Ferkelerzeugung bis hin zur Schweinemast stattfindet.

Aus den Berechnungen zur Umfrage ergibt sich, dass durch die Halbierung der Zahl der Ferkelerzeuger und durch die geringe Investitionsbereitschaft zukünftig etwa 20 bis 25 % weniger Sauen in diesen Betrieben gehalten werden. Würde man das auf Deutschland übertragen, folgt daraus: Um die zukünftig fehlenden Ferkel auszugleichen, müssten sich die Ferkelimporte auf deutlich über 20 Mio. verdoppeln.

Hauptgrund für geplante Aufgaben: Summe der Auflagen

Schweinehaltung

Als Hauptgründe für die geplante Aufgabe der Sauenhaltung geben die deutschen Sauenhalter am häufigsten die Summe der Auflagen (73,5 Prozent) an. Danach nennt rund die Hälfte der Befragten mindestens eine der in der politischen Diskussion stehenden Vorgaben für die Ferkelerzeuger: Abferkelung, Kastration und Vorgaben zum Kupieren. Danach folgen fehlende Perspektive (50,3 Prozent) und die gesellschaftliche Stimmung (47,9 Prozent). Ökonomische Gründe wurden nur zu 22,3 Prozent genannt.

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