Login
Öffentlichkeit

Verdacht auf Tierquälerei - nicht von einem auf alle schließen

Endres-Hof
Kein Bild vorhanden
Cornelia Beisser, Wochenblatt
am
18.07.2019

Sondersitzung des Landtags zu Tierquälerei-Vorwurf in Milchviehbetrieb

Bad Grönenbach/Schw. „Einem kranken Rind gegen den Kopf zu treten oder Tiere auf irgendeine andere Weise zu traktieren, ist für jeden verantwortungsbewussten Landwirt ein absolutes Tabu. Sollten sich die schweren Vorwürfe gegen den Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach im Landkreis Unterallgäu bestätigen, müssen die Verantwortlichen rigoros bestraft werden“, sagt der Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Bayerischen Landtag, Dr. Leopold Herz (Freie Wähler). Am 25. Juli findet zu dem Fall eine Sondersitzung des Landwirtschafts- und Umweltausschusses im Landtag statt.
Aus Sicht des Agrarpolitikers ist es wichtig, dass die Bauern nicht unter Generalverdacht gestellt werden. „Vergessen wir nicht, dass die überwältigende Mehrheit bayerischer Milchviehbetriebe mit solchen Machenschaften nichts zu tun hat und trotz gewaltigen wirtschaftlichen Drucks das Tierwohl in den Mittelpunkt stellt. Verschärfte und vor allem nicht vorher angekündigte Kontrollen sollten daher vor allem bei Betrieben durchgeführt werden, die bereits mehrfach einschlägig in Erscheinung getreten sind“, fordert Herz.

AbL fordert Systemänderung

Für die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zeigt sich am Beispiel des Betriebes im Unterallgäu eindeutig, dass Tierhaltung in diesen Größenordnungen ohne einen angemessenen und damit hohen Arbeitskräftebesatz nicht tiergemäß betrieben werden kann. „Das System aus konstant zu niedrigen Preisen, Kostendruck, Überproduktion sowie daraus folgend Wachsen oder Weichen bedarf dringend der Veränderung, damit nicht Tierwohl, Verbraucherschutz und Qualität der Lebensmittel auf der Strecke bleiben“, betont Michael Finger, Geschäftsführer der AbL Allgäu.
Der im Fokus stehende Betrieb ist laut Georg Martin, Biomilchbauer in Ronried und im AbL-Landesvorstand Bayern, in seiner Betriebsführung nicht exemplarisch für die Mehrzahl der bayerischen Betriebe. „Das Ansehen des Berufsstandes Bauer sollte unter solchen Agrarbetrieben nicht leiden.“ Die Politik dürfe jetzt den Vorfall jedoch nicht als bedauerlichen Einzelfall verharmlosen, sondern müsse vernünftige Strukturen stärken. „Die Bauern müssen für gute Arbeit gute Preise bekommen – und solange das nicht gelingt, muss es bei der Verteilung der EU-Direktzahlungen einen höheren Aufschlag auf die ersten Hektare oder besser eine Honorierung gesellschaftlicher Leistungen geben“, erklärt Elisabeth Waizenegger, Milchbäuerin aus Legau und Mitglied im AbL-Bundesvorstand.

Veterinärbehörde rechtfertigt sich

Nach der Veröffentlichung der Bilder, die mit versteckter Kamera auf dem größten Milchviehbetrieb im Unterallgäu aufgenommen wurden, möchte Landrat Hans-Joachim Weirather möglichst transparent informieren, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die Bilder führen uns in erschreckender Weise vor Augen, dass es sich bei unseren Kontrollen immer nur um Momentaufnahmen handelt“, so Weirather. Nun stelle sich die Frage, wie Verstöße gegen den Tierschutz künftig vermieden werden können. „So traurig dies ist: Wir können nicht verhindern, dass Tiere auch in unserem Landkreis in unbemerkten Momenten gequält werden.“ Man könne es den Übeltätern aber möglichst schwer machen.

Das Landratsamt habe deshalb personelle Unterstützung angefordert. Aktuell arbeiten im Unterallgäuer Veterinäramt vier Tierärzte. Der Landkreis zählt zu den viehreichsten Regionen in Deutschland – 1500 Betriebe mit rund 130 000 Rindern. Die allermeisten sind Familienbetriebe. Eine Totalüberwachung zu fordern, wäre absolut fehl am Platz, heißt es. Eine Betriebsschließung komme zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Betracht. Die Milch des Grönenbacher Großbetriebes (täglich 40 000 Liter) wird übrigens laut Landratsamt derzeit in einer Biogasanlage vergoren.

Auch interessant