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Tierseuchen

Wieder Vogelgrippe bei Wildvögeln

Hoeckerschwan
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Andrea Tölle, Wochenblatt
am
30.08.2017

München - Erstmals seit Mai dieses Jahres wurde das Geflügelpest-Virus H5N8 bei Wildvögeln in Deutschland registriert.

Nahe Seeburg im Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt, wurde die Vogelgrippe bei drei toten Schwänen festgestellt. In einem Radius von einem Kilometer wurde ein Sperrbezirk und in einem Radius von drei Kilometern ein Beobachtungsgebiet eingerichtet.

Martina Junk, stellvertretende Pressesprecherin des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass mittlerweile wieder der Vogelzug beginnt und die betroffenen Seen in Sachsen-Anhalt ein beliebter Rastplatz für Wasservögel sind. Zudem ist es laut Junk keineswegs so, dass die Viren im Sommer ganz verschwinden, sondern sie zirkulieren ganzjährig bei wild lebenden Wasservögeln. Deshalb ist es wichtig, dass Geflügelhalter die Biosicherheitsmaßnahmen auch im Sommer einhalten (vgl. auch Merkblatt des Friedrich-Loeffler-Instituts „Nutzgeflügel schützen“: https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00001778/Merkblatt-Nutzgefluegel_schuetzen-2017-02-15.pdf).

Die stellvertretende LGL-Pressesprecherin ergänzt: „Dass Infektionen mit aviären Influenzaviren im Sommer auftreten ist auch nichts Neues: Vor zehn Jahren, Ende August 2007, wurde in einem Großbetrieb die Geflügelpest nachgewiesen.“ Die Wahrscheinlichkeit für solche Fälle sei jedoch geringer als im Winterhalbjahr. Man könne das in etwa mit der Situation beim Menschen vergleichen: Auch hier ist trotz der ausgeprägten Winter-Saisonalität der Grippeerkrankungen eine Influenza im Sommer nicht ausgeschlossen.

Deshalb rät Stefan Zoller, stellvertretender Pressesprecher des bayerischen Umweltministeriums: „Da immer wieder mit dem Auftreten der Geflügelpest und den erforderlichen Maßnahmen zu rechnen ist, sollten Tierhalter frühzeitig Überlegungen anstellen, wie die Auswirkungen auf die Tiere möglichst gering gehalten werden können. Dazu zählt bei einer Haltung im Stall beispielsweise das Vorhalten von ausreichendem Beschäftigungsmaterial für die Tiere. Durch entsprechende Planen und Zäune können auch kurzfristig sogenannte Wintergärten für die Tiere errichtet werden. Dadurch können die Tiere auch während einer Aufstallungspflicht weiterhin ins Freie, ohne mit Wildvögeln in Kontakt zu kommen. Für eine entsprechende finanzielle Unterstützung bei Umbaumaßnahmen wäre das Landwirtschaftsministerium zuständig.“

Zoller betont, dass alle Maßnahmen im Zuge eines Vogelgrippe-Ausbruchs dem Schutz insbesondere der Nutzgeflügelbestände vor einer Infektion und damit auch den wirtschaftlichen Grundlagen der Geflügelhalter dienen. Sie seien somit auch im Interesse der Geflügelhalter. „Gerade was die Länge der Stallpflicht angeht, war es im Winter 2016/17 kein Geschehen, das man jedes Jahr erlebt. Entschädigungen werden bereits heute von der Tierseuchenkasse gezahlt, wenn erkrankte Bestände auf behördliche Anordnung getötet werden müssen“, erklärt Zoller.

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