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Wachteln - das ist was für Gourmets

Goldsprenkel
Helga Gebendorfer
am
04.04.2018

Vor drei Jahren hat Familie Ortner sich 13 Legewachteln angeschafft. Mittlerweile halten die Nebenerwerbslandwirte 62 Tiere. Und wenn die Nachfrage nach Eiern und Jungtieren weiter steigt werden sie bald nochmal aufstocken.

Wachteln Kinder

"Schon in meiner Jugend war ich fasziniert von Geflügel, wie Tauben oder Fasanen“, erzählt Thomas Ortner aus Brunndobl, Lks.
Rottal-Inn. Seine Eltern Josef und Maria Ortner haben sich seit 1983 der landwirtschaftlichen Wildhaltung verschrieben, die mit Direktvermarktung im eigenen Hofladen erfolgreich praktiziert wird.

Auch der 42-jährige Nebenerwerbslandwirt, der den elterlichen Betrieb übernehmen will, war schließlich auf der Suche nach „etwas Kleinem“, das er neben seiner beruflichen Tätigkeit ausüben kann. So holte er sich Informationen ein und recherchierte im Internet. „Letztendlich bin ich auf die Wachteln gestoßen. Sie gefallen uns, die Eier gelten als Delikatesse und wir können sie als Ergänzung in unserem Hofladen verkaufen“, blickt er zurück.

So fiel dann im März 2014 der Startschuss mit zehn weiblichen und drei männlichen Legewachteln. „In erster Linie war das Ziel die Eierproduktion“, verrät Conny Ortner. Studien und Tests belegen die Gesundheit der Eier, die sogar schon von Hildegard von Bingen empfohlen wurden. „Die Eier sind sehr gesund“, betont Conny Ortner, die darauf hinweist, dass sie auch von Hühnerei-Allergikern gut vertragen werden.

Die Hennen legen fast jeden Tag ein Ei

Wachteln Kundin

Nachdem Thomas Ortner die Tiere bei einem österreichischen Züchter erworben hatte, stellte sich mit ausreichender Wärme und genügend Licht relativ schnell ein Erfolg ein. „Das bedeutet, die Wachteln legten bald jeden Tag ein Ei“, erläutert er und fügt hinzu, dass bei optimalen Verhältnissen im Jahr 280 bis 300 Eier pro Wachtel zu erwarten sind. Wichtig ist dabei, dass sich die Tiere wohl fühlen und rundherum bestens versorgt sind. In der Mauser, die zweimal jährlich 14 Tage lang dauert, ist die Legeleistung allerdings beeinträchtigt.

Für eine optimale Legeleistung benötigen die Wachteln 14 bis 16 Stunden Licht. Das heißt, im Herbst und Winter geht es nicht ohne künstliche Lichtquelle. „Dann verlängern wir den Tag mit einer Lampe, die sich mit einer Zeitschaltuhr automatisch einschaltet“, informiert Conny Ortner. Die Legedauer beträgt zwei bis drei Jahre. „Wir wechseln aber fließend schon nach einem Jahr bis maximal zwei Jahren aus“, verrät die 37-jährige. Wachteleier wiegen 10 bis 14 Gramm, sodass vier Wachteleier der Größe eines Hühnereis entsprechen. Sie sind mindestens 21 Tage haltbar.

Bei den Ortners werden die Tiere in einem 5 m x 2,25 m großen Stall mit Voliere gehalten. Die Einstreu besteht aus Hobelspänen und Stroh. Etliche Fichtenzweige sorgen für Versteckmöglichkeiten und Geborgenheit. Sohn Tobias baute zudem für die Tiere ein Holzhäuschen. Weitere Voraussetzungen für eine Wohlfühlatmosphäre sind frisches Wasser und eine ständige Futterversorgung.

Fertigfutter mit festen Inhaltsstoffen

Wachteln Thomas Ortner

Von Beginn an setzte Thomas Ortner auf Fertigfutter, das sich aus Mais, Getreide, Sämereien und Mineralstoffen zusammensetzt. Der Rohproteingehalt beträgt 19 bis 20 Prozent. Zudem bringen Leckerbissen aus der Küche, wie Salat, Gurken, Zucchini, Nudeln, Reis, Petersilie, Haferflocken und gekochte Kartoffeln Abwechslung in die Ration.

Im Wasserbehälter haben 20 Liter, im Futterbehälter 3 kg Vorrat Platz. In einer Ecke können die kleinen Tiere im Sand ein Bad nehmen und der angebotene Grit garantiert eine feste Eierschale. Zusätzlich werden die Tiere mit Leckereien verwöhnt. „Zur Beschäftigung bieten wir Hirse an und einmal wöchentlich gibt es nach dem Misten Mehlwürmer“, berichtet der Geflügelhalter.

Wachteln legen nicht wie Hühner ihre Eier in Nester, sondern überall verteilt im Stall und in der Voliere. Jedes Ei der Bodenbrüter hat seine eigene Sprenkelung und ist damit sehr gut getarnt. „Deshalb müssen wir beim täglichen Eiersuchen Vorsicht walten lassen, um keines zu zertreten“, teilt Conny Ortner mit.

Die Küken sind so klein wie Hummeln

Wachteln Wildfarben

Vier- bis fünfmal im Jahr bemüht sich Thomas Ortner bei den Legewachteln um Nachwuchs. Dann werden in den zwei Brutapparaten jeweils 50 Eier 17 bis 18 Tage lang bei 60 bis 65 Prozent Luftfeuchtigkeit und 37,8 °C ausgebrütet. Beim Schlupf sind die Küken so klein wie eine Hummel, wachsen aber unglaublich schnell, so dass sie bereits nach einer Woche an den Flügeln Federn ausbilden und nach sechs Wochen geschlechtsreif sind.

Die ersten Tage verbringen die Jungtiere in einer Schachtel unter Rotlicht und bekommen ausschließlich Wasser und Blaumohnkörner. Dann wird zusätzlich gemahlenes und getrocknetes „Eierfertigfutter“ angeboten. Ab Legebeginn mit sechs Wochen wird auf das Fertigfutter umgestellt. Mit acht Wochen erfolgt die Zusammenführung in der Gruppe. Jede Woche ein Schuss Apfelessig ins Wasser fördert nach Überzeugung von Thomas Ortner die Tiergesundheit. „Das desinfiziert und trägt zur Versorgung mit natürlichen Vitaminen bei“, berichtet er.

Mit sechs Wochen werden sie mit Farbringen – jedes Jahr eine andere Farbe – ausgestattet, um später mühelos ihr Alter bestimmen zu können.  Aufgrund der wachsenden Nachfrage wurde der Bestand mittlerweile auf 62 Legewachteln – 50 weibliche und zwölf männliche – aufgestockt. Die beiden Farbschläge „Goldsprenkel“ und „Wildfarbene“ sind in zwei Gruppen getrennt, sodass jede von ihnen ihren eigenen Stall mit Außenvoliere hat.

Verkauf im Hofladen

Wachtel jung

Die Eier verkaufen die Ortners neben den Wild- und Honigerzeugnissen der Eltern im Hofladen (www.ortners-hofladen.de) und liefern sie an die Gastronomie. Der Kundenkreis kommt schwerpunktmäßig aus der Region – Kurgäste, Einheimische und Hotels im nahegelegenen Bad Birnbach. Letztere verwenden sie sowohl für Gourmets in der Küche als auch als Deko in den Räumen. Im Laden werden 12er Kartons zu 3 € und 18er Kartons zu 4,50 € verkauft. „Einige Kundschaften decken sich sogar auf einmal mit einem Vorrat von 60 Stück ein“, erzählen die Wachtel-Freunde.

Letztes Jahr im Frühjahr zogen parallel zu den Legewachteln zusätzlich Zierwachteln in den Stall ein. „Unsere Tochter Lisa wollte eigene Wachteln besitzen“, erklärt Ortner. Ein Elternpaar wurde gekauft, das im ersten Jahr neun und im zweiten Jahr 23 Junge hervorbrachte. Nach gewissen Startschwierigkeiten wissen die Geflügelhalter inzwischen, dass ein spezielles Futter Voraussetzung für den Zuchterfolg ist. Bisher wurde sämtlicher Nachwuchs im Alter von rund sieben Monaten lebend an Züchter und Liebhaber verkauft – für 25 € pro Stück.

„Wir haben sehr viel Freude und Spaß mit unserer kleinen Geflügelhaltung“, sind sich alle Familienmitglieder einig. Alle helfen zusammen. Während Conny Ortner zweimal täglich nach dem Rechten schaut, kon-trolliert ihr Mann jeden Tag nach der Arbeit, ob alles in Ordnung ist. „Ich empfinde das als wohltuenden Ausgleich am Abend“, meint er. Ohne Wachteln und ihre Frühstückseier möchten die Ortners nicht mehr sein. „Wenn der Bedarf weiterhin steigt, sind wir offen für eine Erweiterung“, so Thomas Ortner.

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