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Hühnerauslauf

Wald mit Doppelfunktion

Franz Wittmannn
am
01.09.2017

Etzlberg - Fliegen mit einer Klappe schlägt Familie Wagner: Pappeln bieten den Hühnern Unterschlupf und liefern Hackschnitzel.

Das Phänomen ist zur Genüge bekannt: Bei Freiland-Hühnerhaltung im größeren Stil nutzt das Federvieh nur einen Bruchteil der (vorgeschriebenen) Auslaufflächen. Stattdessen halten sich die Hühner hauptsächlich im engeren Umfeld eines Unterstands, also meistens des Stalls, auf. Das ist nicht so ganz im Sinne der „Erfinder der Freilandhaltung“ und der entsprechenden Verordnungen. Denn die zugedachten Flächen sollten eigentlich dazu führen, dass sich die Hühnerherde auf der ganzen Fläche bewegt und sich dadurch zum Beispiel der Kot breitflächig verteilt und sich der Krankheitsdruck vermindert.

Pappelpflanzungen im Hühnerhof

Energiewald

Es ist vor allen Dingen die Angst vor ihren Feinden aus der Luft, die Hühner so vorsichtig macht. Schutz suchen sie im Ernstfall aber nicht nur unter festen Dächern, sondern notfalls auch unter Bäumen und Gebüsch. Den österreichischen Energiewald-Pionier Sepp Zeilinger brachte das vor einigen Jahren auf die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: durch Pappelpflanzungen auf der Weide den Hühnern Schutz zu bieten, und andererseits die Bäume in gewissen Zeitabständen abzuernten und daraus Hackschnitzel zu machen, so wie es bei herkömmlichen Kurzumtriebsplantagen passiert.
Mehrere Legehennen-, aber auch Putenhalter sowie Masthendlproduzenten haben das Konzept bereits in die Praxis umgesetzt. Zu ihnen gehört der Betrieb Wagner in Etzlberg im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Dort wurden vor eineinhalb Jahren rund 8000 Pappelstecklinge gesetzt, die Sepp Zeilinger geliefert hatte.
Christine und Franz Wagner haben knapp 5000 Hühner, verteilt auf drei Mobilställe. Die Ställe werden nach Bedarf mit dem Schlepper verzogen. Zwei Ställe sind 2000er-Einheiten, im dritten Stall haben 800 Legehennen Platz. Die vorgeschriebenen Auslaufflächen für die Freilandhaltung werden mit den fast 5 ha Freilaufflächen locker erfüllt. Sie werden als Wechselweide im einjährigen Turnus betrieben.

Pappeln in Reih und Glied gepflanzt

Die gepflanzten Pappeln sind gut gekommen und können heuer, wenn sie erstmals übermannshoch werden, ihre zugedachten Vorzüge als Schutz für die Hühner richtig ausspielen. Die Bäume wurden in langgezogenen Streifen auf die Hühnerweiden gepflanzt. Jeder Streifen besteht aus vier Pflanzreihen mit einem Reihenabstand von 80 bis 100 cm.
Zwischen den Reihen ist eine etwa zwölf Meter breite freie Fläche. Diesen Bereich zwischen den bereits bestehenden Energiewaldstreifen will Franz Wagner in Zukunft noch halbieren. Dazu will er einen Streifen bestehend aus zwei Pflanzenreihen dazwischen setzen.
Nach drei Jahren gibt es die erste Ernte
Die Pappelernte ist folgendermaßen vorgesehen: Nach etwa drei Jahren soll zum ersten Mal geerntet werden, und zwar jeweils zwei Baumreihen von jedem Streifen. Die beiden anderen Reihen bleiben stehen, um ihre Schutzfunktion weiter erfüllen zu können. Sie werden ein Jahr später gefällt und zu Hackschnitzeln für den eigenen Bedarf verarbeitet. Die Bäume aus der ersten Ernte werden in dieser Zeit schon wieder so stark nachwachsen, dass sich die Hühner dann unter ihnen geschützt aufhalten können. Schließlich dient der Hühnermist als wertvoller Dünger.

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