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Geschäftsidee

Der Weg zum Schlachtbetrieb

Helga Gebendorfer
am
11.01.2018

Die eigene Hühnerhaltung aufgeben, um einen Geflügelschlachtbetrieb mit EU-Zulassung aufzubauen: Diesen Mut bewies Familie Krammel aus Hausen und fährt damit gut.

Krammel Familie

Geflügel aller Art gab es auf dem Hof von Johann und Corinna Krammel in Hausen (Lks. Kelheim) immer. Nach ihrer Hochzeit 1980 starteten der Landwirt und die Altenpflegerin neben dem Milchvieh mit der Legehennenhaltung und erweiterten diesen Betriebszweig nach und nach auf 300 Stück. Damals wurde für das eigene Geflügel die erste Rupfmaschine angeschafft. Der Startschuss, das Geflügel anderer Leute zu schlachten, fiel, als die Krammels für eine Freundin 1990 etwa 20 Hähnchen und Suppenhühner schlachteten.

Danach folgten Aufträge aus der Verwandtschaft und dem Bekanntenkreis. „Mit der Zeit stieg die Nachfrage“, erzählen die Unternehmer. Im Jahr 1995 wurde der Betrieb auf Nebenerwerb umgestellt und alle Ackerflächen verpachtet. Nur zwei Damwild- und Sikawildgehege mit jeweils zwei Hektar bewirtschaftet die Betriebsleiterfamilie selbst. Die EU-Auflagen von 2014 zwangen die Familie schließlich die eigene Geflügelhaltung einzustellen und sich voll und ganz auf die Schlachterei zu konzentrieren.

Mit dem Veterinäramt eng abgestimmt

Kunde Annahme

Am 23. Juni 2015 erhielt der Nebenerwerbsbetrieb die EU-Zulassung für seine Schlachtstätte. „Das verlangte im Vorfeld einige Maßnahmen“, sagt Corinna Krammel. Der alte Schlachtraum wurde aufgegeben und ein neuer Bereich an die Garage angebaut, der mit der Kühlung 80 m2 groß ist.

Die Einteilung und Einrichtung des Gebäudes sowie der Ablauf des Schlachtprozesses wurde mit der Veterinärtierärztin geplant. „Deren Vorschläge nahmen wir auf und setzten sie in die Praxis um. Dann gab es keine Probleme mit der EU-Zulassung“, berichtet Corinna Krammel.
Die Aufträge wurden immer mehr, sodass bereits eineinhalb Jahre später der Platz in der neuen Schlachtstätte nicht mehr ausreichte. Deshalb erweiterte die Familie Krammel den Schmutzraum auf doppelte Größe und investierte in eine zusätzliche Kühlung mit einer maximalen Bestückungskapazität von täglich 450 kg – die dreifache Leistung der vorhandenen Kühlung.

Das aktuelle Gebäude mit 120 m2 ist unterteilt in Schmutzraum mit Anlieferungsbereich und Schlachtraum, Reinraum mit Zerlegeraum, Kühlung, Umkleideraum und Ausgaberaum. „Insgesamt nahmen wir zwischen 80 000 und 90 000 Euro in die Hand“, teilt Familie Krammel mit. Johann Krammel und sein Sohn Michael absolvierten die Prüfung zur ordnungsgemäßen Schlachtung.

Pro Woche bis zu 2000 Schlachtungen möglich

Krammel Kunde Abholung

Die Schlachtaufträge werden stets nach dem gleichen Schema abgearbeitet. Die Kunden rufen bei Corinna Krammel an und vereinbaren mit ihr einen Schlachttermin. Am Jahresanfang ist es ruhig und von Januar bis April gibt es nur vereinzelte Schlachttermine.

Ende Mai startet die Saison mit der Schlachtung von Hähnchen. In der Regel wird dreimal wöchentlich geschlachtet – 600 bis 700 Tiere. Schlachthöhepunkte sind die Wochen vor Kirchweih mit 1500 Tieren und Weihnachten mit 2000 Tieren. „Da schlachten wir täglich außer sonntags“, erzählt die 52-Jährige. Bei der Arbeit helfen bis zu fünf Familienmitglieder.

Corinna Krammel teilt die Aufträge so ein, dass an einem Schlachttag entweder nur Enten und Gänse oder nur Hähnchen, Suppenhühner, Puten und Tauben an die Reihe kommen. Die maximale Stückzahl richtet sich nach der Kühlung. Im Durchschnitt sind es 150 Stück Wassergeflügel und 250 Stück anderes Federvieh. Die Trennung der Ware je nach Kundschaft erfolgt durch Namensetiketten am Abtropfgestell und in den Transportkisten. Die Kunden müssen beim Anliefern der Tiere ein Auftragsformular ausfüllen. Dieses legt Corinna Krammel oben auf die Kiste zum Abholen. Innereien, Flügel und Hals werden an die Kunden separat abgegeben.

In engen Kundenkontakt investiert

Geflügel säubern

Der Kundenkreis ist mit den Jahren vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda gewachsen. Zudem wirbt der Betrieb mit Flyern und im Internet unter www.gefluegelschlachthof-krammel.de. Mindestens 60 % der Kunden sind Stammkunden. Und es finden immer wieder neue Kunden den Weg nach Hausen. „Wir haben mit der Kundschaft einen intensiven Kontakt und daraus haben sich einige Freundschaften entwickelt“, erzählt die Unternehmerin. Die Leute kommen aus einem Umkreis von bis zu 150 km und liefern zwei bis 100 Tiere an. Rund 40 % aller angelieferten Tiere stammen aus Ökobetrieben.

Nach jedem Schlachttag verbringt Corinna Krammel rund zwei Stunden im Büro, um die Dokumentation zu erledigen. Beim Reinigen und Desinfizieren nach dem Schlachten unterstützt seit vier Monaten eine Firma. Sie erstellt einen Ablaufplan und liefert sämtliche Reinigungsmittel. Erforderlich sind eine tägliche Wasserreinigung und Teildesinfektion sowie einmal monatlich eine Grunddesinfektion. Zusätzlich werden einmal im Monat Abklatschproben genommen, die in einem Regensburger Labor auf Bakterien und Salmonellen untersucht werden. „Das sind zwar zusätzliche Kosten, aber das ist es mir wert“, sagt Krammel. Sie fühlt sich dadurch auf der sicheren Seite.

Das sollten Neueinsteiger beachten

Geflügel Schlachtraum

Neueinsteigern empfehlen die Krammels eine gute Verbindung zum Veterinäramt aufzubauen. „Das Amt sollte die rechte Hand sein. Eine gute Zusammenarbeit ist das A und O“, sagt die Schlachtereibetreiberin. Sie weist darauf hin, dass der Kontakt zu der Behörde schon vor dem Einrichten der Schlachtstätte ratsam ist.

Es muss ja auch mit der regelmäßigen Lebend- und Fleischbeschau klappen. Auch die Tierschutzverordnungen müssen unbedingt eingehalten werden. „Es sollte klar sein, dass man stets nach den Richtlinien arbeiten muss“, erklärt Corinna Krammel. Zu jeder Zeit kann es eine unangemeldete Kontrolle geben. Erst vor kurzem verpflichtete sich der Geflügelschlachthof zusätzlich für ein Kontroll- und Zertifizierungssystem im biologischen Landbau, das alle drei Monate eine Kontrolle vorsieht.

Familie Krammel zieht eine positive Bilanz: „Ja, die Investition in eine professionelle Schlachterei hat sich gelohnt. Obwohl sie viel Arbeit und Stress verursacht hat.“ Durch den Ausbau und die neuen Maschinen wurden die Schlachtungen erleichtert und die gesetzlichen Voraussetzungen können beispielsweise durch die neue Kühlung noch besser erfüllt werden. Zudem hat Corinna Krammel ihren Arbeitsplatz nun daheim. Auch ihr Mann kann als Frührentner mitarbeiten. Und der Umgang mit den Kunden macht Spaß. „Solange wir es gesundheitlich machen können, geht es so weiter. Alles andere wird sich ergeben“, meinen die Krammels beim Blick in die Zukunft.

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