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Deutscher Melkmeister

„Weißes Gold“ ade?

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Max Riesberg, Wochenblatt
am
02.06.2016

Stoffen/Landsberg am Lech - Thomas Schön wurde kürzlich zum besten Melker Deutschlands gekrönt. Die Freude darüber ist ungebrochen, doch angesichts der aktuellen Krise in der Milchbranche fällt es dem Junglandwirt schwer, positiv in die Zukunft zu blicken.

Tack, tack – tack, tack. Der Pulsator gibt den Rhythmus vor, in dem die 70 Milchkühe der Familie Schön morgens und abends gemolken werden. Der ehemals als „weißes Gold“ hoch geschätzte Rohstoff fließt in die Milchschläuche. „Mir gefällt es immer schon, wenn die Milch fließt“, sagt Thomas Schön, ein Junglandwirt aus Stoffen im Landkreis Landsberg am Lech und grinst. Thomas ist vor fünf Wochen Deutschlands Melker Nummer 1 im Bundesmelkwettbewerb geworden, sehr zur Freude seiner Familie und seiner Freundin Larissa. Die stehen voll hinter ihm. Die besten Voraussetzungen als junger und motivierter bayerischer Milcherzeuger ins Berufsleben zu starten und Verantwortung zu übernehmen, möchte man meinen. Doch der 19-Jährige ist verunsichert, wie es in Bayern in Zukunft mit der Milch weiter gehen soll.
Der Betrieb der Schöns ist das, was man unter einem „gesunden bayerischen Familienbetrieb“ versteht. Im Jahr 2000 hat man mit dem Milchviehstall, 2008 schließlich mit dem Wohnhaus ausgesiedelt. Die Fleckviehkühe geben im Schnitt gute 8000 l Milch. Das Herz schlägt bei Thomas und seiner Familie voll für diese Rasse, auch wenn man nicht ex-trem im Zuchtgeschehen mitmischen will. Von der künstlichen Besamung ist man aus arbeitswirtschaftlichen  Gründen wieder abgekommen. So läuft heute Deckstier Mantul einfach in der Herde mit. „Unser Ziel sind gesunde, wirtschaftliche und stabile Kühe“, betont Thomas.
Dem Junglandwirt ist es außerdem wichtig, dass jedes Tier einen Namen hat: „Das gehört einfach dazu. Denn es sind ja Lebewesen und keine Gegenstände.“ Luna, mit der Halsbandnummer 566, ist übrigens Thomas Lieblingskuh – groß, rahmig und von der Leistung „nicht ganz schlecht“, wie er sie selbst beschreibt.
Im Juli diesen Jahres schließt Thomas seine Berufsausbildung zum Landwirt ab. Bis dahin ist er noch in der Ökonomie des Benediktinerklosters in St. Ottilien tätig, wo er sein drittes Lehrjahr absolviert. Zuvor lernte er auf dem Betrieb von Robert Abenthum in Obermühlhausen.
Die Teilnahme am Bundesmelkwettbewerb war für Thomas eine besonders prägende Zeit im Rahmen seiner Ausbildung. „Die Chance den Titel quasi vor der eigenen Haustüre holen zu können, war für mich ein ganz besonderer Ansporn“, erzählt Thomas. Und schließlich ist ihm das ja auch geglückt, gemeinsam mit seinem Kollegen Stephan Kreuzer, der seinen Siegertitel im Melkkarussell sogar verteidigen konnte. Aber nicht nur der Ehrgeiz zu siegen, sondern auch der Erfahrungsaustausch mit den Jungmelkern aus den anderen Bundesländern und der Blick über den eigenen Tellerrand seien für ihn wertvolle Erfahrungen gewesen. „Für die Nordlichter mit 500 und mehr Kühen daheim, waren wir Bayern Hobbybauern“, schildert Thomas und lacht.
Doch gerade die Überschaubarkeit und Vielfältigkeit auf einem bayerischen Familienbetrieb mache den Beruf für ihn so interessant. Auch wenn sich sein Fokus zugegebenermaßen im Laufe der Zeit von der Außenwirtschaft nun mehr auf den  Stall und die Kühe verlagert habe. „Hier wird schließlich auch das Geld verdient.“ Dass die Wertschöpfung für die Milch allerdings seit geraumer Zeit weitgehend auf der Strecke bleibt, treibt auch Thomas Sorgenfalten auf die Stirn. Der Auszahlungspreis bei der Karwendel-Molkerei liegt momentan bei 26 ct, Tendenz weiter fallend. Zu den wirtschaftlichen Zwängen kommt der zunehmende Druck aus der Bevölkerung. So etwas frustriert selbst Deutschlands Vorzeigemelker. „Wir wollen ja weitermachen, aber wie?“

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