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Rind

Wissenschaftler finden Ursache für Wachstumsstörung bei Rindern

von , am
04.05.2015

<b>München</b> - Mit DNA-Analysen in der Zucht Krankheiten verhindern.

© Helmut J. Salzer / pixelio.de
Ein Forschungsteam der Technischen Universität München, der ZuchtData und der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat jetzt eine bislang unbekannte, rezessiv vererbte Krankheit beim Fleckvieh entdeckt. "Die betroffenen Tiere fallen dadurch auf, dass die Kälber und Jungtiere trotz normaler Fütterung im Vergleich zu ihren gesunden Altersgenossen deutlich langsamer wachsen und an Gewicht zulegen – und zwar nur etwa halb so schnell beziehungsweise viel. Dabei machen sie sonst einen völlig gesunden Eindruck", erklärt Dr. Hubert Pausch vom TUM-Lehrstuhl für Tierzucht.
Die Wissenschaftler suchten im Erbgut von Rindern nach bestimmten genetischen Merkmalen, die ein Hinweis auf Krankheiten sein können. Dabei stießen sie auf vier Regionen im Genom, die sich negativ auf die Fruchtbarkeit und den Aufzuchterfolg auswirken – und bei einem davon waren reinerbige Tiere deutlich kleinwüchsig. Mithilfe umfangreicher Genom-Sequenzanalysen fanden die Forscher dann auch die verantwortliche Genmutation für diese Wachstumsstörung heraus.
 
Ähnliches Krankheitsbild beim Menschen
Bei allen untersuchten minderwüchsigen Tieren ist das SLC2A2 Gen von einer Mutation betroffen. Die Veränderung in SLC2A2 führt dazu, dass ein bestimmter Glukose-Transporter im Körper nicht mehr richtig funktioniert oder gar nicht erst gebildet wird. Beim Menschen ist diese seltene Stoffwechselkrankheit als Fanconi-Bickel-Syndrom bekannt. Obwohl die verantwortliche Mutation für den Minderwuchs beim Fleckvieh erst jetzt dank der Möglichkeit von Sequenzanalysen entdeckt werden konnte, muss das Krankheitsbild schon seit mindestens zwei Jahrzehnten vereinzelt aufgetreten sein. Denn als die Wissenschaftler die DNA eines Jungbullen aus historischen Paraffin-Schnitten präparierten und analysierten, bei dem die entsprechenden Symptome im Jahr 1996 berichtet wurden, trug dieser die entdeckte Genmutation in sich. (pd)
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