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Weidehaltung

Wolf breitet sich aus

Wolfsrudel
Jürgen Umlauft
am
24.05.2017

München - Die Rückkehr des Wolfes nach Bayern ist nach Einschätzung des Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky nicht mehr aufzuhalten. Er rechne damit, dass sich in den waldreichen Regionen des Freistaats in den nächsten Jahren mehrere Rudel bilden werden, sagte der Wolfexperte auf einer Fachanhörung der SPD-Fraktion im Landtag vergangene Woche.

Hauptsächlich betroffen sein werde der Alpenraum sowie der nordostbayerische Mittelgebirgsbogen von der Rhön über den Frankenwald bis in den Bayerischen Wald. Für Menschen bedeute dies keine Gefahr, da Wölfe von sich aus jeden Kontakt vermeiden würden. Insbesondere für die offene Schafhaltung brauche es aber Schutzkonzepte.

Wotschikowsky empfahl, wegen der unterschiedlichen Topografie und Bewirtschaftung für die Alpen und das übrige Bayern zwei verschiedene Konzepte zu erarbeiten. Zwei Drittel der potenziellen Wolfsverbreitung in Bayern werden außerhalb der Alpen erwartet. Dort könne man sich am Vorgehen von Sachsen und Brandenburg orientieren, wo inzwischen 90 % der Schafherden gut geschützt seien.

Für die Alpenregion gebe es aufwendigere, aber ebenfalls wirksame Konzepte mit intensiver Behirtung. Zudem müsse das Weidesystem in den bayerischen Alpen überarbeitet werden. Derzeit gebe es in Deutschland 61 nachgewiesene Wolfsrudel, theoretisch sei Platz für rund 400. In Bayern seien bislang je ein Paar auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz und im Nationalpark Bayerischer Wald bestätigt.

Nach Einschätzung von Claus Obermeier von der Georg Louisoder Umweltstiftung könnten die Managementpläne für die Alpenregion längst schon weit gediehen sein. Als 2010 an der Rotwand am Schliersee ein Wolf gesichtet worden sei, seien unter Federführung des Umweltministeriums erste Pläne zum Umgang mit dem Rückkehrer erarbeitet worden. Letztlich sei die Projektarbeit aber auf Druck des Almwirtschaftlichen Verbands Oberbayern und örtlicher CSU-Abgeordneter eingestellt worden. „Dem Projekt ist der Stecker gezogen worden, seither ist nichts mehr passiert“, kritisierte Obermeier.

Über seine Erfahrungen mit Schutzhunden berichtete der Schäfer Johannes Rudorf aus Tirschenreuth. Er empfahl, mit der Prävention vor dem ersten Wolfkontakt zu beginnen. „Genügend souveräne Herdenschutzhunde, die dem Wolf zeigen, dass es bei uns nichts zu holen gibt, sind eine sehr gute Präventionsmaßnahme mit nachhaltiger Wirkung“, erklärte er. Die Hunde müssten vor der ersten Attacke in die Herde integriert sein. Allerdings sei das Konzept anspruchsvoll und mit hohen Kosten verbunden. Die Anschaffung seiner fünf Hunde habe rund 10 000 € gekostet, der Unterhalt belaufe sich pro Tier auf etwa 1500 € im Jahr. Der Aufwand lohne sich, „weil man nachts wieder ruhig schlafen kann“. Jedoch forderte Rudorf den Abbau bürokratischer Hürden und staatliche Förderung für den Unterhalt der Hunde. Zudem müsse die Bevölkerung besser aufgeklärt werden, wie sie sich gegenüber von Hunden bewachten Schafherden verhalten müsse.

Ungeachtet dessen sprach sich Wotschikowsky klar für die Eliminierung verhaltensauffälliger Tiere aus. „Wölfe, die mehrfach in einer Siedlung auftauchen, gehören erschossen“, stellte er fest. Dazu brauche es keine neuen Gesetze. Der Präsident der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, Peter Blanché, warnte davor, nur auf Schutzhunde zu setzen. Nicht jeder Hobbyschäfer könne sich Hunde leisten, auch bei zersplittert gehaltenen Herden seien Hunde oft nicht erste Wahl. Auch für Schutzzäune brauche es aber staatliche Hilfen.

Den Wochenblatt-Schwerpunkt zum Thema Wolf finden Sie in Heft 5/2017. Jürgen Umlauft

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