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Veraltetes Bauernbild

Zurück zum Mist?

Ferkel auf Stroh
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Hans Dreier, Wochenblatt
am
06.07.2017

München - Mistgabel, Mistkarre und Misthaufen – das waren jahrhundertelang die Insignien des Bauern.

Das Bild vom im Dreck herumstiefelnden Landmann, der sich fröhlich um die Hinterlassenschaften seines Viehs kümmert, hat sich tief in die Köpfe der Stadtbevölkerung eingeprägt. Bauern, das sind die Kloputzer der Kühe und Schweine, vermitteln Film und Fernsehen noch heute.

Anfang der 1970er-Jahre ist es fortschrittlichen Landwirten gelungen, dieses Bild vom Bauern abzuschütteln. Die Erfindung des Betonspaltenbodens befreite die Landwirte von diesen entwürdigenden Tätigkeiten. Kurze Zeit später wurde auch die Futterschaufel im Stall außer Dienst gestellt, weil nun automatische Anlagen das Futter in die Tröge befördern. Wenn Landwirte heute in den Stall gehen, haben sie nur noch eines zu tun: sich um die Gesundheit ihrer Tiere zu kümmern. Niemals zuvor hatten Landwirte das Privileg, sich voll und ganz der Beobachtung und Kontrolle des Viehs zu widmen.

Doch jetzt will das gehobene Bürgertum das Rad zurückdrehen und die Bauern wieder ins Mittelalter befördern. Gefordert wird wieder der Bauer vom alten Schlag, der Stroh einstreut und die Mistgabel schwingt. Der Spaltenboden sei den Nutztieren nicht länger zumutbar, hört man von allerlei „Experten“. Das Tierwohl erfordere das auf Stroh gebettete Tier. Selbst die Bayerische Staatsregierung gestaltet die Bauförderung immer stärker in Richtung Stroheinstreu um.

Das sind keine besonders reizvollen Berufsaussichten für junge Leute, die selbst am Hof arbeiten wollen. Ein zeitgemäßer Arbeitsplatz sieht anders aus. Sollte das Aus für den Spaltenboden kommen, wird es dennoch genügend schneidige Agrarunternehmer geben, die Strohställe betreiben. Zum Ausmisten holt man sich dann eben robuste Wanderarbeiter aus Osteuropa. Ist das die Zukunft? Das Wohl des arbeitenden Menschen interessiert heute leider niemanden mehr.

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