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Pflanzprogramm

Wieder aufforsten und Holz nutzen

Waldumbau
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
12.07.2019

Bei der geplanten Aufforstung sollte bereits eine spätere Nutzung berücksichtigt werden, gibt die Deutsche Holzindustrie zu bedenken.

Eine Schweizer Studie macht Hoffnung: Globale Aufforstung könnte die Erderwärmung bremsen. Hierzulande gerät der Wald aber zunehmend selbst unter Druck. Dürre, Brände, Stürme und Schädlinge sorgen für große Schäden im Wald. Die Bundesregierung plant mit einem Wiederaufforstungsprogramm, den Herausforderungen zu begegnen. Aus Sicht der Holzindustrie ein wichtiger Schritt. Zur Nutzung des gesamten Klimaschutzpotenzials müsse jedoch der Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette gerichtet werden.

„Die aktuellen Wetter- und Folgeschäden zeigen, dass das Jahr 2018 keine Ausnahme war", sagt Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH). Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sind insgesamt 110.000 Hektar und damit rund ein Prozent der deutschen Waldfläche betroffen. Dass die Bundeskanzlerin sowie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner der Branche Unterstützung zusagt, sei ein wichtiges Signal, findet Schmidt. Die Ministerin schlägt ein "Mehrere-Millionen-Bäume-Programm" vor, das aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) der Bundesregierung finanziert werden könnte. 

Beim Pflanzen die Nutzung berücksichtigen

Die Anpassung an den Klimawandel geht aber über das Pflanzen neuer Bäume hinaus, erklärt der studierte Forstwirt Schmidt. Denn Kalamitäten betreffen die gesamte Wertschöpfungskette: Während Waldbesitzer großflächige Schäden verzeichnen, die aufgearbeitet werden müssen, muss die Holzindustrie ihre Produktion und ihren Absatz auf qualitativ minderwertiges Holz ausrichten.

Langfristig führen die langen Wachstumszeiten sowie Unwägbarkeiten des Klimawandels dazu, dass in den kommenden Jahren deutlich weniger Holz verfügbar sein könnte. Für den Klimaschutz hätte das negative Auswirkungen. Denn das gesamte Potenzial von Holz entfaltet sich erst mit der nachhaltigen Verwendung: Der Atmosphäre wird dadurch nicht nur CO2 entzogen, sondern der Kohlenstoff auch über die komplette Nutzungsdauer in Produkten wie Häusern, Möbeln oder Verpackungen gebunden. Zudem ersetzt Holz energieintensive Materialien und fossile Brennstoffe, bei deren Herstellung große Mengen Treibhausgase freigesetzt werden.

Die zentrale Weichenstellung für die gesamte Branche ist daher, welche Bäume im Rahmen des geplanten Programms gepflanzt werden. Diese müssten in den kommenden Jahrzehnten gesund, stabil und vielseitig einsetzbar sein. Derzeit werden 95 Prozent der Holzprodukte aus Nadelholz gefertigt. „Die gezielte Förderung der Anpassungsfähigkeit heimischer Baumarten an die veränderten Standortbedingungen sollte daher ein zentrales Element der Wiederaufforstungsstratregie sein“, so Schmidt.

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