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Waldbau

Borkenkäfer - immer weiter Bohrmehl suchen

Dr. Hannes Lemme, Cornelia Triebenbacher, LWF, Freising
am
03.05.2018

Jetzt ist die Chance am größten, eine Käferkalamität zu verhindern.

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Buchdrucker und Kupferstecher nutzten die sehr heißen Tage Mitte bis Ende April, um auszuschwärmen. Dabei wurden an einigen Monitoringstandorten bereits sehr hohe Werte mit über 3.000 Buchdruckern in einer Woche gefangen. Die Anflugzahlen beim Kupferstecher sind derzeit noch niedrig.

Stehendbefall droht

Angesichts der hohen Populationsdichten aus dem Vorjahr ist beim Hauptschwärmflug mit Stehendbefall zu rechnen, vor allem in Oberbayern, Schwaben und Niederbayern, erste Meldungen liegen bereits vor. Die Bohrmehlsuche ist daher in den kommenden Tagen unerlässlich, besonders an den Randbäumen letztjähriger Käferlöcher und aufgerissener Waldränder sowie im Umkreis noch nicht aufgearbeiteter Einzel- und Nesterwürfe der beiden Sturmtiefs „Burglind“ und „Friederike“. Von diesen Bereichen geht als Ausgangpunkt für die Entstehung großer Käfernester eine große Gefahr aus.
Befallene Fichten müssen zeitnah gefunden, gekennzeichnet und unverzüglich aufgearbeitet werden. Nur so ist eine Ausweitung des Befalls auf benachbarte Fichten sowie der Wiederausflug zur Anlage einer Geschwisterbrut zu verhindern. Bei warmer Witterung kann zwischen Befall und Anlage der Geschwisterbrut ein Zeitraum von nur zwei Wochen liegen!
Die schnelle Reaktion auf Käferbefall und gründliche Aufarbeitung in der ersten Schwärmwelle sind besonders wirkungsvoll für eine erfolgreiche Eindämmung der Befallsausbreitung und Abschöpfung der Käferpopulation.

Empfehlungen

Man kann es fast nicht oft genug wiederholen, jetzt ist die wichtigste Zeit für die Bohrmehlsuche. Auch wenn jeder befallene Baum aus dem Wald geräumt ist, Käfer können auch in abgefallener Rinde überwintern, oder sie sind zum Überwintern direkt in den Boden gegangen ud starten von dort aus den Neubefall. Was ist zu tun?
  • Bohrmehlsuche: Die Kontrolle auf frischen Stehendbefall sollte an Randbäumen von letztjährigen Käferlöchern und aufgerissenen Waldrändern, sowie im näheren Umkreis von Einzel- und Nesterbrüchen erfolgen. Die Bohrmehlsuche an trockenen Tagen durchführen.
  • Bohrmehl ist erkennbar hinter Rindenschuppen, auf Ästen, in Zwieseln und Astgabeln, im Moos am Stammfuß, auf Blättern der Pflanzen am Boden;
  • Befallskontrolle von liegenden bruttauglichen Fichtenkronen und Resthölzern.
  • Zeitnaher Einschlag und Aufarbeitung von befallenen Fichten: Die Aufarbeitung sollte möglichst bis zur Derbholzgrenze (7 cm) erfolgen. Der Industrieholzabsatz ist derzeit sehr gut und kann daher für Brutraumentzug zur Borkenkäferbekämpfung genutzt werden.
Bei Harvestereinsätzen sind die Kronen soweit wie möglich durch den Prozessorkopf zu ziehen, um die Bruttauglichkeit der Kronen einzuschränken.
  • Suche, Aufarbeitung und Bringung von Einzelwürfen, angeschobenen oder gebrochenen Bäumen. Das beginnt bei der Fichte. Lärche, Kiefer, Douglasie und Tanne folgen entsprechend ihrer Gefährdung durch Borkenkäfer, dann kommen die Laubhölzer. Wurden auf einer Fläche mehrere Baumarten geworfen, werden diese parallel aufgearbeitet.
  • Weitere Aufarbeitung von Flächenschäden durch „Kolle“ nach Einzel- und Nesterwürfen. Spätestens Mitte Mai ist mit dem Ausflug zur Anlage der Geschwisterbrut zu rechnen, sodass je nach Flächengröße und Holzanfall ein Übergreifen auf den Bestandsrand und in die Bestände möglich ist.

Ausführliche Informationen und Handlungsempfehlungen können der Webseite www.borkenkaefer.org entnommen werden.

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