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Forst

Deutscher Wald zu alt für den Klimawandel

Wald
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
24.07.2019

Der Wald hat nach Einschätzung der Holzindustrie ein demographisches Problem. Als Beleg dient die Kohlenstoffinventur 2017. Sie würde zeigen, dass der Wald weniger genutzt wurde als für ihn gut wäre.

Berlin - Die Forscher des Thünen-Instituts fassten die Ergebnisse der Kohlenstoffinventur 2017 wie folgt zusammen:

  • Es gibt mehr alte und dicke Bäume,
  • der Laubbaumanteil wächst,
  • der Holzvorrat ist gestiegen.
  • Der Anstieg des Holzvorrates hat sich beschleunigt, weil deutlich weniger Holz, insbesondere Fichte, genutzt wurde. 

Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR), der Rohstoffgruppe der Holzindustrie wirft einen zweiten – kritischen – Blick auf die Ergebnisse der Kohlenstoffinventur. Grundsätzlich seien die Kernaussagen positiv: Eine forstliche Übernutzung der Wälder, wie in einigen tropischen Regionen, wäre in Deutschland nicht zu befürchten. Die Bewertung der Ergebnisse falle jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Waldschäden differenzierter aus. Die Kohlenstoffinventur zeige wie schon die letzte Bundeswaldinventur aus dem Jahr 2014 eines ganz deutlich: „Der deutsche Wald hat ein demographisches Problem: Er ist zu alt und zu dick!“

Alte Wälder sind auch besonders anfällig gegen Klimastress

Denn so positiv die ökologische Entwicklung der Wälder grundsätzlich sei, würden die Ergebnisse auch ein zunehmendes Problem im Klimawandel bedeuten: „Alte Bäume sind ökologisch wertvoll, aber alte Wälder sind auch besonders anfällig gegen Klimastress infolge langer Dürreperioden wie wir sie in den letzten beiden Jahren erleben mussten“, so Ohnesorge. Dies würden die Borkenkäfer- und Dürreschäden zeigen, welche deutschlandweit über alle Baumarten, aber besonders in älteren Wäldern zu verzeichnen seien. Diese Schäden und die nachfolgenden hohen Schadholznutzungen seien von der Kohlenstoffinventur noch nicht erfasst. 

Die Extremwetterereignisse würden deutlich machen, dass der Wald mehr noch als bisher gemischt und mit Baumarten verjüngt werden müsse, die die Auswirkungen des Klimawandels voraussichtlich besser vertrügen. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren seien viel zu wenig junge Bäume nachgezogen worden.

Aktuell im Ausnahmezustand

Aktuell ist die Forst- und Holzwirtschaft nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft im Ausnahmezustand, da viele Wälder infolge der Dürre abstürben und in kurzer Zeit viel Rohholz auf dem Markt komme. Für die Industrie sei ein solch hoher Schadholzanfall von großem Nachteil, denn sie sei auf eine kontinuierliche und planbare Versorgung angewiesen. Die Qualität von Schadholz sei tendenziell geringer und die Verarbeitungskapazitäten seien begrenzt. Für die kommenden Jahre befürchtet die AGR in den Schadholzregionen einen deutlichen Rückgang der Rohholzverfügbarkeit. Deshalb setzt sie sich für ein besseres Risiko- und Krisenmanagement in der Forstwirtschaft ein. 

Die AGR fordert deshalb ein Umdenken: Es sollten in Normaljahren mehr alte Wälder genutzt und der Wald mit geeigneten Baumarten verjüngt werden. Nur so könne die Leistungsfähigkeit und Vitalität des Waldes im Klimawandel verbessert und Schadholzereignissen vorgebeugt werden.

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