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Jagd

Effektiver an die Sauen kommen

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Johannes Urban
am
03.09.2018

Dass Schwarzwild vielerorts zum Schadwild geworden ist, darüber braucht man nicht mehr zu diskutieren. Jetzt steht auch noch die ASP vor der Tür. Daher hat man zwei bisher eher unkonventionelle Jagdmethoden getestet.

Bereits im Jahr 2015 hat das Landwirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit den Unteren Jagdbehörden das Thema „Saufang“ aufgegriffen. Erfahrungen hierzu gab es keine und so hat man bei den Bayerischen Staatsforsten beschlossen, diese in den Forstbetrieben Selb und Flossenbürg zu sammeln.

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Nach ersten Versuchen in Flossenbürg mit einem verbretterten Fang kam man aus diesen Erfahrungen heraus dazu, einen Saufang aus Baustahlmattenfeldern (2,50 m breit und 2,00 m hoch) zu bauen, der einmal billiger ist als der aus Holz, zum anderen leicht versetzbar ist und vor allem von den Sauen sehr gut angenommen wird, da die Bachen nicht gleich Ungemach wittern, weil sie eben „Durchblick“ haben.

Die Gesamtkosten an Material haben in diesem Fall etwas über 4000 € betragen und beinhalten unter anderem eine Wildkamera mit Sendefunktion, eine mobile Schubtoreinheit mit Schließmechanismus per Fernauslösung und eine Fernsteuereinheit. Zusätzlich sind für das Aufstellen des Saufanges zwei Arbeitstage für zwei Arbeiter einzurechnen.

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Zur Standortauswahl gibt es grundsätzliche Überlegungen. Der Fang sollte nicht unmittelbar an einer Forststraße liegen, es darf kein naturschutzrelevanter Standort sein, es braucht Sichtschutz durch den Waldbestand, der Fang sollte in Rundform erstellt sein, um Verletzungen des Wildes zu verhindern und es braucht guten Handyempfang. Grundvoraussetzung für einen Erfolg ist, dass täglich gekirrt wird. Über Wildkameras wird kontrolliert, wann die Sauen den Fang annehmen, und wenn sie zwei-, dreimal hintereinander da waren, werden die Kameras „scharf“ gestellt, das heißt der zuständige Revierleiter erhält ein Handysignal und kann gleich checken, wer oder was da unterwegs ist. Ist die Rotte komplett im Fang, wird das Schiebetor per Fernauslöser schließen.

Nach den Erfahrungen aus Flossenbürg verhalten sich die Sauen im Fang, übrigens auch im Holzfang, ruhig bis in den hellen Tag hinein. Entscheidend ist nun, dass der etwas versetzt, windabgewandt und gedeckt stehende Hochsitz leise bezogen wird, um Beunruhigung zu vermeiden. Dann muss, laut Forstbetriebsleiter Stefan Bösl „sauber geschossen werden“. So konnten im bisher erfolgreichsten Fall innerhalb von drei Minuten von zwei Jägern acht Sauen erlegt werden. Stefan Bösl betont: „Der Saufang ist kein Allheilmittel, er ist eine Möglichkeit von mehreren, regulierend auf die Schwarzwildbestände einzuwirken. Einzelansitz und Drückjagden bleiben die vorherrschenden Jagdmethoden.“

Nachtsichttechnik

Eine weitere unter Jägern heftig diskutierte Jagdmethode ist der Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten bei der Einzeljagd auf Sauen. Wohlgemerkt nicht von Nachtzielgeräten, die definitiv verboten sind. Die Jägervereinigung Nittenau im Landkreis Schwandorf war bereits von 2010 bis 2013 beim Pilotprojekt des Bayerischen Bauernverbandes dabei, bei dem verschiedene Jagdmethoden ausprobiert und bewertet wurden.

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Otto Storbeck, Vorsitzender der Jägervereinigung, ist mit dem Einsatz der Geräte rundherum zufrieden, wobei inzwischen die Technik weiter verbessert wurde. Aber auch damals waren die Ergebnisse, die beim Abschuss von 160 Sauen unter Zuhilfenahme von Nachtsichttechnik erreicht wurden, positiv: „Ich kann so auch bei Dunkelheit genau ansprechen, was ich vor mir habe, männlich oder weiblich, wie herum es steht. Ich kann einen sauberen Schuss anbringen, was dem Tierschutz Rechnung trägt, und ich vermeide so langwierige und gefährliche Nachsuchen.“ Dass daran etwas nicht waidgerecht sein soll, das könne er nicht nachvollziehen. Für die von der Spitze des Jagdverbandes ausgesprochene Generalkriminalisierung der Jägerschaft hat er überhaupt kein Verständnis: „Was in der Nacht bejagt werden darf, das ist eindeutig festgelegt. Wer sich nicht daran halten will, der hat das auch ohne Nachtsichtgeräte gemacht. Das aber sind Einzelfälle“.

Storbeck fordert den flächigen Einsatz dieser Technik zuzulassen mit der klaren Maßgabe zur Sauenbejagung. Dann besäße keiner etwas Illegales. Zur Zeit sind hierzu die Landratsämter anzufragen, die nach Einzelfallentscheidung den Einsatz für drei Jahre gestatten können, und da hapert es mitunter gewaltig, einmal ob überhaupt, zum anderen bei der Bearbeitungsdauer.
Die Erfahrung aus Nittenau zeigt aber, dass der Vergrämungseffekt an einer Schadfläche, wo man die Sauen mit einer schnell aufgestellten Klappleiter und bei dunkler Nacht überrascht, gut ist, allerdings ziehen sie dann zum Nachbarn. Daher, so Storbeck, müssten die Geräte zwingend auf Hegegemeinschaftsebene eingesetzt werden. Und noch eines hat man in Nittenau beobachtet. Kamen die Sauen früher in Rotten mit 20 bis 30 Stück auf die Felder oder das Grünland, so werden die Rotten durch die mondunabhängige Bejagung kleiner und ziehen sich mehr in den Wald zurück: Das dient sicher der Schadensverhütung.
Ein Selbstläufer ist die Jagd mit Nachtsichtgerät ohnehin nicht. Storbeck: „Das muss unbedingt vorher geübt werden, keine Frage. Ja, und dann muss man nach wie vor ansitzen, die Sauen müssen auch kommen und dann muss man auch treffen!“ Daher heißt es, eventuell mit Ankirren nachhelfen oder eben mit mobilen Sitzen an die kritischen Stellen auf den Schadflächen heran.
Diese „mobile“ Einsatzmöglichkeit sieht Storbeck gerade im Zusammenhang mit dem Vorrücken der ASP als deutlichen Vorteil an. „Ich kann so an den Einfallspforten der ASP wie Autobahnen, Bundesstraßen, Parkplätzen effektiv handeln.“ Wärmebildtechnik wäre bei der Jagd mit Nachtsichtgeräten eine sehr sinnvolle Ergänzung zum Suchen und Ansprechen von Wild über größere Entfernungen. Eine feste Montage sieht er als problematisch an, da natürliche Hindernisse wie etwa Zweige in der Geschoßflugbahn nicht erkannt werden.

Der Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten ist nach den Erfahrungen der Nittenauer Jägerschaft kein Allheilmittel, um die Saubestände generell zu senken. „Aber“, so Storbeck, „ich kann so Wildschäden vermeiden, auch bei Dunkelheit Schwarzwild richtig ansprechen und sauber erlegen. Da diese Technik aber nur auf dem Ansitz genutzt werden kann, ist sie lediglich eine Ergänzung zu den übrigen Jagdmethoden.“

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