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Bayerische Staatsforsten

Käfer, Hitze und Holzschwemme

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
31.10.2018

Das Geschäftsjahr 2018 (1. Juli 2017 – 30. Juni 2018) der Bayerischen Staatsforsten war geprägt von widrigen Umständen, die nicht nur dem Wald zugesetzt haben, sondern auch den Förstern große Sorgen bereiten.

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München Den Bayerischen Staatsforsten als größtem Waldbesitzer Bayerns ist es mit einem personellen und finanziellen Kraftakt vorerst gelungen, eine Massenvermehrung des Borkenkäfers im Staatswald zu verhindern. Das wurde auf der Bilanzpressekonferenz in München deutlich.

Der Aufsichtsrat der Staatsforsten hat entschieden, in diesem Jahr auf eine Ausschüttung an den Freistatt erstmalig zu verzichten. Bei einem Gesamtumsatz von 371,9 Mio. € (2017: 402,4 Mio. €) wurde nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Martin Neumeyer ein gutes Ergebnis mit einem erwirtschafteten Gewinn von 53 Mio. € erzielt – trotz schwieriger Zeiten. Unter Berücksichtigung der hohen Pensionsrückstellungen hätte sich ein ausschüttungsfähiger Gewinn von gut 20 Mio. € ergeben, der jetzt bei den Staatsforsten verbleibt. Geld, das für die Herausfordungen der Zukunft einen Puffer schafft. „Hitzewellen wie in 2018 sind nicht mehr die Ausnahme, im Klimawandel werden sie zu gewöhnlichen Ereignissen“, machte Neumeyer deutlich: „Der Klimawandel ist in Bayern schneller als erwartet angekommen.“ Die Anstrengungen, die die Staatsforsten auf sich nehmen, sind enorm. Der Staatswald wird seit Jahren zu einem Mischwald umgebaut und ein professionelles Borkenkäfermanagement hilft, den Schädling zu bekämpfen. Zudem werden die Staatsforsten weniger Holz einschlagen, um den Markt, der von Käferware überschwemmt wird, ein Stück weit zu entlasten.

Weitere Entlastung bringen die Nasslager. Mit der Einlagerung von Käferholz in Nasslager haben die Staatsforsten forstliches Neuland betreten. Dort wird es permanent bewässert, die Qualität des Holzes bleibt durch den Ausschluss von Sauerstoff erhalten. Über ganz Bayern verteilt gibt es inzwischen ein Netz von Nasslagern mit einer Kapazität von 1,3 Mio. m3. Ziel sind 2 Mio. m3 im Jahr 2020.
Die Kosten der Borkenkäferbekämpfung belaufen sich im Geschäftsjahr auf 8,7 Mio. € und sind offenbar gut investiertes Geld. Denn trotz der Massenververmehrung des Borkenkäfers in diesem Sommer sind im Staatswald 2018 von Januar bis Ende September nur 710 000 fm Käferholz angefallen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 780 000 fm. „Wir haben die Lage in Bayern im Griff“, erklärte Neumeyer, der in München auch die Borkenkäfer-App der Staatsforsten vorstellte, mit der es möglich ist, befallene Bäume in Echtzeit auf digitalen Karten einzutragen, denn eine wirksame Bekämpfung beruht auf Geschwindigkeit. Bevor sich der Käfer vermehrt und weiterfliegt, müssen die Bäume entnommen werden.

Blick zu den Nachbarn

Borkenkäfer

Weniger im Griff scheint man die Lage im Nachbarland Tschechien zu haben. Von den massiven Schäden konnte sich eine Delegation der Staatsforsten in diesem Sommer überzeugen. „In Tschechien zerstört der Borkenkäfer ganze Wälder. Derzeit wird mit einem Schadaufkommen von rund 20 Mio. m3 allein in Tschechien im nächsten Jahr gerechnet“, gab Neumeyer zu bedenken. Damit fällt im Nachbarland – im Vergleich zu der Holzmenge aus den Bayerischen Staatsforsten – die vierfache Menge an Käferholz an.

Neben den bekannten Schädlingen Buchdrucker und Kupferstecher tauchte in Tschechien auch erstmals der Nordische Fichtenborkenkäfer auf. Wie Vorstand Reinhard Neft dem Wochenblatt erklärte, bohrt sich diese Käferart in die Stammmitte. Das Bohrmehl des nordischen Zuwanderers ist sehr fein und wird vom Wind schnell weggetragen. So wird es also schwer, befallene Bäume schnell zu identifizieren und zu entnehmen.
Doch damit leider nicht genug. Zu den tschechischen Käferholzmengen kommt ein Schadholzaufkommen in Österreich von bis zu 5 Mio. m3 hinzu. Aus West- und Mitteldeutschland sind nach dem Sturm Friederike mit rund 15 Mio. fm Sturmholz noch einmal 5 bis 10 Mio. m3 Borkenkäferholz im nächsten Jahr zu erwarten. All diese Ereignisse erzeugen Druck auf dem Markt. Neumeyer: „Diese Mengen drängen, auch aus wirklich weit entfernten Regionen, per Zug auf den bayerischen Holzmarkt.“
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