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Waldarbeit

Traktor - gut gerüstet in den Wald

Außenspiegel_lieber einklappen als abreißen
Thomas Fottner, Bayerische Waldbauernschule
am
25.10.2018

Für den Feldeinsatz gebaut, aber auch im Wald gebraucht: Landwirtschaftliche Schlepper werden oft auch im Wald eingesetzt – aber nicht immer sind sie für den Waldeinsatz gewappnet. Das lässt sich ändern.

Klappbare Trittstufe

Viele bayerische Waldbauern haben gleichzeitig auch einen landwirtschaftlichen Betrieb. Und damit haben viele einen landwirtschaftlichen Schlepper, der auch bei der Waldbewirtschaftung eingesetzt wird. Die Bayerische Waldbauernschule empfiehlt hierbei einige Punkte zu beachten, um Schäden am Fahrzeug und Probleme bei der Forstzertifizierung möglichst zu vermeiden.

Derzeit sind in Bayern ca. 80 % der Waldfläche freiwillig nach PEFC zertifiziert. Dort wird nachhaltiges Wirtschaften und die Einhaltung von fachlichen Standards regelmäßig überprüft. Für alle nach PEFC zertifizierten Waldbesitzer gibt es klare Regeln für den Schleppereinsatz im Wald. An erster Stelle ist hierbei das grundsätzliche Verbot der flächigen Befahrung zu beachten.

Tank mit Unterfahrschutz
Die Holzbringung oder das Vorliefern von Stammholz muss deshalb in der Regel mit Hilfe von Seilwinde, Kran oder Pferd erfolgen. Die Befahrung findet auf festgelegten Rückegassen mit einem Mindestabstand von 20 m statt. Der Bodenschutz im Bestand und auch auf der Rückegasse sind wichtige Kriterien für die Auswahl geeigneter Technik.

Oft ist Bioöl vorgeschrieben

Polterschild mit Halter
Zum Schutz von Boden und Grundwasser ist außerdem biologisch schnell abbaubares Hydrauliköl vorgeschrieben. Ausnahmen bestehen für landwirtschaftliche Schlepper mit hydraulisch angetriebenen Anbaugeräten, wie zum Beispiel einem Rückewagen. Zur Erläuterung folgende Beispiele:
  • Wenn beim Schlepper der Getriebe- und der Hydraulikölkreislauf nicht getrennt sind, und der Rückewagen über die Schlepperhydraulik betrieben wird, besteht keine „Bioölpflicht“.
  • Wird der gleiche Rückewagen jedoch mit einem Zugfahrzeug verwendet, bei dem Getriebeöl- und Hydraulikölkreislauf voneinander getrennt sind, müssen sowohl der Rückewagen als auch der Hydraulikölkreislauf des Schleppers mit „Bioöl“ befüllt sein.
  • Bei Rückewägen mit eigener Ölversorgung muss gemäß PEFC die Kranhydraulik des Rückewagens in jedem Fall mit biologisch schnell abbaubarer Hydraulikflüssigkeit betrieben werden.
Ventilschutzkappen_kleine Maßnahme große Wirkung
Bei der Holzbringung sind die Schlepper einer hohen Belastung ausgesetzt. In Abhängigkeit von den Geländeverhältnissen ist mit einem teilweise deutlich höheren Verschleiß zu rechnen: Unwegsames Gelände, Stöcke, Felsen, Äste und Kronenteile können an tragenden Teilen, an Reifen, Ventilen, am Tank und an ungeschützten Leitungen Schäden verursachen.
Waldeinsatz beansprucht den Schlepper
Einige Hersteller bieten landwirtschaftliche Traktoren an, die für den professionellen Forsteinsatz umgerüstet sind. Für die meisten Waldbesitzer sind sie jedoch zu teuer, da die Auslastung im Wald häufig zu gering ist oder sonstige Nachteile im landwirtschaftlichen Haupteinsatzbereich auftreten. So sind beispielsweise Forstreifen wesentlich steifer als die Standardreifen – und das kann sich auf dem Acker nachteilig auf den Bodenschutz auswirken.

Worauf es
im Wald ankommt

Polterschild
Was sollte man sich also leisten? Schon mit kleinen Anpassungen kann man einiges bewirken, beispielsweise mit einem Ventilschutz an den Felgen. Dies ist eine kleine, aber wichtige Maßnahme um Reifenpannen vorzubeugen.
Rohrgestell als Astabweiser am Schlepperdach
Schnell hat sich beim Überfahren ein Holzstück aufgestellt, deshalb sollte zum Schutz von Leitungen, Tank, Spurstange und sonstigen empfindlichen Bauteilen ein angepasster Unterfahrschutz angebracht werden.
Damit Äste die Außenspiegel nicht beschädigen können, sind diese zumindest durch Wegklappen in Sicherheit zu bringen. Ein Schutz der Kabine inklusive Scheinwerfer und Auspuff durch Astabweiser wäre wünschenswert. Oft werden auch spezielle Forstkabinen oder verschiedene Forstausstattungspakete werksseitig angeboten.
Das Poltern von Langholz ist mit dem Frontlader wesentlich einfacher als mit dem Schild der Anbauwinde, insbesondere mit einem Polterschild an der Euro-Aufnahme anstelle einer Staplergabel. Ein dritter Steuerkreis am Frontlader ermöglicht zudem die Verwendung eines Polterschilds mit hydraulischer Stammfixierung.
Neben der technischen Ausstattung des Fahrzeugs spielt die Hiebsplanung und -durchführung sowie die Fahrpraxis im Forsteinsatz eine wesentliche Rolle bei der Schadensvermeidung. Dies sind unter anderem wichtige Inhalte bei den Rückekursen der Bayerischen Waldbauernschule Kelheim.

Kurse an der Waldbauernschule

Grundkurs Waldwirtschaft 26.11.18 – 21.12.18

Grundkurs Baustein 1 Waldbau 26.11.18 – 30.11.18

Grundkurs Baustein 2 Waldverjüngung 3.12.18 – 7.12.18

und Holzvermarktung

Praxiskurs Holzernte 7.12.18 – 21.12.18

Anmeldung 09441-6833-0 Onlinebuchung www.waldbauernschule.de

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