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Waldumbau

Umdenken in der Forstwirtschaft gefordert

Wald
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
12.08.2019

Offener Brief an Julia Klöckner: "Teuren Aktionismus stoppen und eine sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens vornehmen."

Für ein Umdenken bei der Bewirtschaftung von Wäldern hat sich eine Gruppe von Forstpraktikern, Waldbesitzern und Verbänden ausgesprochen. In einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner fordern sie eine „konsequente Abkehr von der Plantagenwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht länger als Holzfabrik behandelt“. Die staatliche Forstwirtschaft müsse den „teuren Aktionismus“ stoppen und endlich eine „sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens“ vornehmen und dabei alle Akteure einbeziehen.

"Klimawandel ist nicht der einzige Grund für die Waldkrise"

Laut Prof. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ist die derzeitige Waldkrise in Deutschland nicht nur eine Folge des Klimawandels. Auch die Art der Waldbewirtschaftung trage eine „erhebliche Mitverantwortung“. Es gebe zu viele struktur- und artenarme Wälder, die durch zu viele Wege zerschnitten worden seien. Waldböden würden zu intensiv befahren, und vielerorts sei das Waldinnenklima durch Auflichtung und zu starke Holzentnahme geschädigt. Ausdrücklich unterstützt wird die Forderung nach finanziellen Hilfen für die Waldbesitzer, sofern diese genutzt würden, einen zukunftsfähigen Wald aufzubauen. Es sei definitiv geboten, Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu vermeiden. „Es wäre Steuergeldverschwendung, jetzt Millionen von Bäumen zu pflanzen, wenn diese vom Wild gefressen werden wie bisher“, so der Koordinator der AG Wald des Forums Umwelt und Entwicklung, László Maraz. Eine waldverträgliche Verringerung des Wildbestandes sei dringender als je zuvor. „Wir brauchen endlich Ruhepausen für den Wald in Deutschland, der jahrhundertelang ausgebeutet wurde“, so der Mitinitator Norbert Panek. Er spricht sich für ein neues, ökologisch orientiertes Konzept aus, das auf schlichte Waldentwicklung anstatt „hektischen Waldumbau“ setzt. Der Wald müsse als Ökosystem den notwendigen Spielraum erhalten, selbstregulierend auf die sich abzeichnenden Umweltveränderungen reagieren zu können.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören nach Angaben der Deutschen Umweltstiftung unter anderem auch der Deutsche Naturschutzring (DNR), Greenpeace, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sowie Bürgerinitiativen und Wissenschaftler.

Mit Material von AgE
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