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Forst

Waldbau mit Wertschöpfung und Nachhaltigkeit

Edelkastanie
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
26.04.2018

Eine mächtige Edelkastanie finden sie diese Woche auf dem Titel unseres Heftes. Optisch macht sie sicher etwas her, aber Drehwuchs und Krümmung würden beim Verkauf des Stammes Abzüge bedeuten.

Sepp Kellerer

Im Wald würde ich mir deshalb andere Exemplare dieser Baumart wünschen. Was will er jetzt mit der Edelkastanie im Wald, werden Sie sich fragen. Nun ja, sie passt mit ihrer Klimahülle schon jetzt ganz gut nach Bayern und in Zukunft noch viel besser.

Diese Erkenntnis führt unweigerlich zur Frage, wer denn das Handeln der Land- und Forstwirtschaft in Bayern bestimmt? Kein Zweifel, ganz klar die Natur. In ihr und mit ihr müssen die Betriebe wirtschaften. Na ja, ganz so klar ist das nicht mehr, denn eine Ausprägung der Natur ist das Klima und das wird ganz massiv vom Menschen beeinflusst.

Auch in seiner Ausprägung als Verbraucher nimmt der Mensch zunehmend Einfluss auf das Handeln der Bäuerinnen und Bauern. Angeblich reagieren die Lebensmittelriesen, teilweise im Verbund mit Tierschutz- und Umweltorganisationen, mit ihren Forderungen nur auf die Bedürfnisse der Verbraucher. Und diese Bedürfnisse werden dann in der Wertschöpfungskette über die Molkereien und Schlachtbetriebe an die Produzenten, die Bauern weitergegeben. Häufig wird dabei auch das Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit übergeworfen.

Die LfLhat die aktuellen Entwicklungen wie gentechnikfreie Fütterung, Heumilch, A2-Milch und so weiter ein wenig unter die Lupe genommen. Eine These daraus: Die Landwirtschaft muss im „freien Markt“ im Einvernehmen mit den gesellschaftlichen Mehrheitsmeinungen arbeiten. Steigende Ansprüche sind die neue Realität und der Rahmen des Marktes. Der Gesetzgeber verliert an Bedeutung für die Standards der Produktion.

Die gute Nachricht: Das Erfüllen der steigenden Ansprüche kann sich auch für landwirtschaftliche Betriebe rechnen. Aber ob die wirtschaftliche Nachhaltigkeit dabei gegeben ist, das ist fraglich. Ein wenig zu kryptisch? Gut dann etwas klarer: Ich investiere in den Stall oder die Stalleinrichtung, um die Anforderungen eines Tierwohllabels zu erfüllen. Wenn ich mit normaler Abschreibungsdauer rechne, dann bringt mir der Aufschlag auf das Produkt mehr als mich die Investition kostet. Das Risiko: Die Abschreibungsdauer liegt fest. Und für wie lange ist der Aufschlag garantiert?

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