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Waldbau

Wertastung - am richtigen Ast sägen

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Michael Ammich
am
24.04.2018

Schön gewachsene Eichen, Buchen oder Ahornbäume sind viel zu schade, um sie zu Brennholz zu verarbeiten. Auf Wertholzsubmissionen erzielen solche Stämme regelmäßig gute Preise. Kann man mit Astung auch beim Laubholz nachhelfen?

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Auf jeden Fall muss gut überlegt und geplant sein, wenn sich die Investition dereinst auszahlen soll. Auf einem Lehrgang der Forstschule Lohr zeigten Experten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Revierleitern und waldbaulichen Beratern der bayerischen ÄELF, worauf es bei der Laubholzastung ankommt. Als „Trainingsgelände“ stand ein 27 Jahre alter Mischwald im Staatswald bei Obermedlingen (Lks. Dillingen) zur Verfügung, der nach dem Orkan „Vivian“ im Februar 1990 wieder aufgeforstet worden war. Heute finden sich hier vor allem Buchen, Ahorn und Eichen.

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Die Waldbautrainer der LWF, Wolfram Rothkegel und Ottmar Ruppert, und der technische LWF-Mitarbeiter Alfred Wörle übernahmen den praktischen Teil des Lehrgangs. Die theoretischen Grundlagen der Laubholzastung zur Wertsteigerung vermittelten Dr. Bernhard Felbermeier vom Lehrstuhl für Waldbau an der TU München und Ottilie Arz, Mitarbeiterin beim LWF-Projekt „Laubholzastung“.

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Meist vertraut der Waldbesitzer beim Laubholz auf die natürliche Astreinigung, also das Absterben der Äste durch den Lichtmangel in der unteren Hälfte des Stammes. In lückigen Beständen, wie sie beispielsweise durch Sturm und andere Schadereignisse, durch Ausfälle, ungeeignete Herkünfte, eine mangelhafte Qualität der Jungbestände oder nach der Erstaufforstung entstehen, erhalten die Äste jedoch auch unterhalb der Baumkrone ausreichend Licht, um sich gut zu entwickeln. Das geht wiederum zulasten einer schnellen Dimensionierung der Bäume. Will der Waldbesitzer die Qualität ausgesuchter Laubhölzer erhöhen, früher in ihre Dimensionierung einsteigen und diese schneller beenden, bietet sich die Astung an.

Erdstamm bringt Geld

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Neun Zehntel des Werts eines Laubbaums liegen in seinem unteren Stammabschnitt. Daher sind 25% der Endhöhe als astfreie Schaftlänge vollkommen ausreichend. Als Ziel könnte sich der Waldbesitzer rund 60 vitale, stabile und gut bekronte wertholzhaltige Endbäume pro Hektar setzen. Daraus ergibt sich ein Mindestabstand dieser Zukunftsbäume von 12 m. Bei einer Zielstammstärke von 60 cm in Brusthöhe (1,30 m) sollte sich bis zum Hieb ein astfreier Mantel mit 20 cm Stärke entwickelt haben – sofern bei der Astung sauber gearbeitet wurde. Ist das der Fall, muss der Waldbesitzer keine Qualitätseinbußen befürchten.

Die durch die Astung entstandene Wunde wird vom wachsenden Holz überwallt und die Verfärbung des Holzes an der Astungsstelle zieht sich nur zum Stamminneren hin, während der überwallende Mantel frei von unerwünschten Farbspielen bleibt.

Die Laubholzastung bringt Chancen und Risiken mit sich. Auf der einen Seite lassen sich durch die Astung auch aus qualitativ schlechten Jungbeständen oder aus sehr vitalen, aber astigeren Bäumen noch Werthölzer erzielen. In der Regel ist auch nur ein einziger Astungseingriff erforderlich. Auf der anderen Seite besteht das Risiko von Fäulnis und Verfärbung im astfreien Mantel, wenn lebende Äste entfernt werden. Nach der Grünastung kann es außerdem zur Bildung von Wasserreisern kommen.

Kosten begrenzen

Ebenfalls zu bedenken: Mit der Aststärke und der Astungshöhe schnellen die Astungskosten in die Höhe. Zu guter Letzt ist auch ein geasteter Laubbaum nicht vor der natürlichen Mortalität gefeit.
Um die Risiken der Astung zu minimieren, sollte der Waldbesitzer gezielt eine bemessene Zahl von Zukunftsbäumen auswählen, also nur vitale Hölzer, die keine erkennbaren Schäden am Stamm und keine Krankheiten, dafür eine gut entwickelte Krone haben und eine herrschende oder vorherrschende Position einnehmen. Am besten wird die Astung von geschultem Personal, wie es sich bei Forstdienstleistern findet, mit der Distelleiter und der Japan-Handsäge durchgeführt.
Damit sich die geasteten Bäume gut entwickeln können, müssen Bedränger kontinuierlich entnommen und der Unterstand gefördert werden. Achtet der Waldbesitzer nach der Astung nicht auf den Nebenbestand, können sich schnell Wasserreiser entwickeln, die dann häufig und kostenträchtig abgestoßen werden müssen.
Eine schlechte natürliche Astreinigung kann verschiedene Ursachen haben: Ausfälle bei der Bestandsgründung, schlechtes Pflanzmaterial, ungeeignete Pflanzverbände, Nachlässigkeit bei den Nachbesserungen in der Jungwuchspflege oder auch die Einsparung von Kulturkosten durch eine weitständige Begründung. Damit sich trotz dieser Unzulänglichkeiten durch die Astung wertvolle Laubhölzer entwickeln können, muss der Waldbesitzer planvoll vorgehen. Dazu gehören die Einstufung der Nutzungsart der dominanten Bäume auf Brusthöhe und bei der Auslese der Zukunftsbäume die Entscheidung, ob eine Astungsmaßnahme überhaupt erforderlich und zweckmäßig ist. Zu überlegen ist ebenso die Feinerschließung. Fällt bei einem Baum die Entscheidung zur Astung, sollte dies auch entsprechend dokumentiert werden. Anschließend sind Rückegassen anzulegen und die Auslese und konsequente Lichtwuchsdurchforstung durchzuführen.

Ein Fall für den Profi

Keinesfalls darf die Astung zwischen Oktober und Januar erfolgen, da sich in dieser Jahreszeit die Wunden nicht schließen. Nach der Astung sollte die Länge der grünen Krone mindestens noch 40 bis 50% der Baumhöhe betragen. Um Verletzungen am Astring und Stamm zu vermeiden, ist eine hohe Qualität der Schnitttechnik erforderlich. Das bedeutet, dass sämtliche Feinäste und Stummel entfernt und die Astungshöhe eingehalten werden müssen. Entscheidend ist die richtige Schnittführung: Der Entlastungs- oder Stummelschnitt verhindert das Aufreißen von Stammholz, beim optimalen Schnitt gibt es nur eine kleine Wunde. Auf keinen Fall darf der Astkragen verletzt werden.
Um die Astungszielhöhe von 6,5 m ohne Gefahr für Leib und Leben zu erreichen, hilft eine Distelleiter mit zwei Segmenten. Auf der Leiter kann sich der Akteur mit seiner Japan-Säge durch einen Haltegurt und eine Kurzsicherung mit Stahleinlage sichern. Selbstverständlich sollten ein Augenschutz, Arbeitshandschuhe, Sicherheitsschuhe und ein Kopfschutz sein.

Geht die Rechnung auf?

Die Astungskosten werden durch die Wertsteigerung des Laubholzes mehr als kompensiert. Das zeigt ein vereinfachtes Rechenbeispiel mit einem Kalkulationszins von 2,5 %, einem Bestand von rund 60 erntereifen Wertholzbäumen pro Hektar und 1,5 Erntefestmetern pro Wertholzbaum sowie Astungskosten von 6 € pro Baum. Werden 80 potenzielle Wertholzbäume im Alter von 20 Jahren bis zu einer Höhe von 6,5 m geastet, ergibt sich durch den angenommenen Zins für die folgenden 60 Jahre ein finanzieller Astungsaufwand von insgesamt rund 2100 €. Sind von den ursprünglich geasteten 80 Bäumen am Ende noch 61 hiebreife Bäume übrig geblieben, ist ein Wertholzmehrpreis von 23 € pro Erntefestmeter erforderlich, um die Astungskosten wieder hereinzuspielen. Ein Waldbesitzer, der sich schon einmal an einer Wertholzsubmission beteiligt hat, weiß, dass der Submissionsmehrerlös diese kostendeckenden 23 € regelmäßig um ein Vielfaches übersteigt. Michael Ammich
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