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Bayerns MEO's

Melken
Amelie Rieger, Landesanstalt für Landwirtschaft München
am
13.06.2019

In Bayern wird immer mehr Milch zu Vermarktungszwecken gebündelt.

An Aufgaben fehlt es den 28 899 bayerischen Milch kuhhaltern (Stand: 3. 11. 18) nicht. Neben Düngeverordnung, Artenvielfalt, Gewässerschutz, Flächenausstattung, Witterung und Tierwohl/-schutz zählen selbstverständlich die bestmögliche Vermarktung der Milch als auch die Gestaltung der Lieferbeziehungen zu den Molkereien zu den Dauerbrennern, mit denen sich Milcherzeuger befassen.
Die Ansätze bezüglich der Vermarktung sind dabei vielfältig. Unter anderem steigen Milcherzeuger vermehrt in die Direktvermarktung ein. Dennoch wird das Gros der Milchmenge zumeist gebündelt durch Milcherzeugerorganisationen (MEO) an Molkereien – privat oder genossenschaftlich – verkauft.
Viele dieser MEO und die beiden Vereinigungen von Milcherzeugerorganisationen in Bayern (Bayern MeG w.V. und Milchplattform e.V) nutzen das Instrument der Anerkennung durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nach Agrarmarktstrukturgesetz, um von einer speziellen Kartellfreistellung zu profitieren. Diese ermöglicht es, sich innerhalb der MEO über Milchpreise und -mengen auszutauschen und Vertragsbedingungen gemeinsam auszuhandeln.
113 MEO in Bayern
 

 

113 MEO in Bayern

Die anerkannten MEO sowie Vereinigungen bilden im Dreiklang mit den Landwirten die Stufe der Erzeugung und Vermarktung der Rohmilch in der Wertschöpfungskette. Im Laufe des Jahres 2018 haben sich fünf MEO nach Agrarmarktstrukturgesetz anerkennen lassen; zwei gaben ihre Anerkennung aufgrund von Fusionierung/Umfirmierung zurück. Damit gab es in Bayern 113 anerkannte MEO zum Jahresende 2018, mit insgesamt 16 795 aktiven Milcherzeugern als Mitglieder. Dabei weist die Anzahl der Milcherzeuger je Organisation eine hohe Bandbreite auf. So sind in der kleinsten MEO gerade einmal 9 Milchlieferanten Mitglied und in der größten MEO sind weit über 1000 Milchlieferanten zusammengeschlossen.
Über 60 % der anerkannten MEO sind in der Rechtsform des wirtschaftlichen Vereins organisiert und knapp 30 % firmieren als eingetragene Genossenschaft. Weiterhin gibt es anerkannte MEO in der Rechtsform eines Vereins. Die eingetragenen Genossenschaften sind zudem im Genossenschaftsverband Bayern organisiert. Die meisten anerkannten MEO gibt es im südbayerischen Raum.
Neben der Anzahl der Mitglieder ist die gebündelte Milchmenge eine interessante Kennzahl. 2018 haben die Milcherzeuger des Freistaates 7,9 Mio. t Kuhmilch – davon 0,6 Mio. t ökologisch erzeugt – an Molkereien geliefert. Dies entspricht einem Zuwachs von etwa 2 % gegenüber dem Vorjahr. Die anerkannten bayerischen MEO bündelten in 2018 knapp 4,9 Mio. t Milch. Dies entspricht über 60 % der bayerischen abgelieferten Milchmenge. Gegenüber dem Vorjahr nahm die gebündelte Milchmenge um knapp 6 % zu.

 

Große Spannbreite

Ebenso wie die Anzahl weist auch die gebündelte Milchmenge je MEO eine enorme Bandbreite auf. Werden die 113 anerkannten MEO Bayerns in 5 Größenklassen eingeteilt (siehe Tabelle oben), so bündeln die meisten MEO eine Milchmenge zwischen 20 bis 50 Mio. kg Milch bei einem Anteil von 26 % an der insgesamt gebündelten Milchmenge. Beachtenswert ist auch, dass die 10 Milch­erzeugerorganisationen, die mehr als 100 Mio. kg Milch vermarkten, zusammen 1,9 Mrd. kg bündeln.

Viel Arbeit

Der Zusammenschluss von Milch­erzeugern, sei es mittels anerkannter MEO und/oder über Genossenschaften, ist in Bayern einerseits bedeutend. Andererseits besteht noch Verbesserungspotential hinsichtlich der Aufstellung der einzelnen, insbesondere kleinen Organisationen. Verwaltungsaufgaben, Meldepflichten, Prüfpflichten oder Mitgliederversammlungen fallen für jede MEO an. Im Vergleich zur vermarkteten Milchmenge der einzelnen MEO ist der organisatorische Aufwand somit sehr groß. Eine Fusion unter Milcherzeugerorganisationen würde diesen in Summe verringern.

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