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Kommentar

Besser gleich verbrennen

Raps nach Ernte
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
01.02.2018

Sind Raps und Weizen weniger wert als Heizöl?

Wolfgang Piller

Dass diese Zeiten wieder da sind, ist beschämend: Wenn Landwirte ihren Weizen, ihren Raps heute direkt verfeuern und dafür Heizöl einsparen würden, hätten sie mehr davon als vom Verkauf. Das liegt nicht daran, dass plötzlich das Heizöl so teuer wäre, sondern dass die Erzeugerpreise für die Rohstoffe vom Acker so niedrig sind. Ein Skandal, über den niemand spricht. Fast niemand – die Ufop macht in dieser Woche darauf aufmerksam. Mit einem guten Grund, denn Öffentlichkeit und Politik argumentieren immer wieder gegen die energetische Nutzung von Weizen und Raps etwa als Biodiesel oder als Bioethanol. Über Iluc-Faktoren und eine verschärfte Erneuerbaren-Energie-Verordnung droht diesen Nutzungsrichtungen das Aus. Angeblich weil diese Nutzung die Nahrungsmittelpreise auf der Welt verteuert. Seit Jahren geben die Weltmärkte jedoch andere Signale. Es gibt genug Getreide und Ölsaaten für volle Teller und Tanks. Ohne die energetische Nutzung würden stattdessen die Erzeugerpreise noch mehr absinken. Erst sie schafft etwas Entlastung auf der eh schon desaströsen Preisseite.

Anstelle die Rahmenbedingungen für Bioenergie von ackerbaulich erzeugten Rohstoffen weiter zu verschärfen, sollte die Politik Rahmenbedingungen schaffen, die erstens eine nachhaltige Produktion ermöglichen und zweitens für die Rohstofferzeuger eine Marktperspektive schaffen. Der Blick muss dabei auch auf die Verwertung der Nebenprodukte wie Rapsschrot oder Ethanolschlempe gerichtet werden. Denn dort drohen Marktverwerfungen. Diese Futtermittel werden dringend gebraucht und sind nicht einfach zu ersetzen. Zum Schluss: Heimische Landwirte erzeugen hoch effizient die Energierohstoffe. Wie sinnvoll sich Bioenergie mit Abfallprodukten erzeugen ließe, steht stattdessen noch ziemlich in den Sternen.

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