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Bauernmärkte

Direkter einkaufen geht nicht

Bauernmarkt
Helga Gebendorfer
am
14.03.2019

Hubert Aiwanger stärkt den Bauernmärkten beim Gesprächsabend den Rücken

Klein, aber fein – diese Devise kennzeichnet den Bauernmarkt in Bad Gögging im Landkreis Kelheim, der seit 23 Jahren besteht. Sommers wie winters öffnet der Bauernmarkt an der Limes Therme freitags von 11 bis 16 Uhr seine Stände. Unter der Führung der Vorsitzenden Angelika Wimmer verkaufen die Direktvermarkter ihre Erzeugnisse an. Abgesehen von Milchprodukten und frischem Fisch verkaufen die sieben Anbieter und saisonalen Stände alles.
„Chancen und mögliche Perspektiven für Bauernmärkte und Direktvermarktung“, lautete nun das Motto zu einem Gesprächsabend im Kurhaus in Bad Gögging, bei dem Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie auf Initiative von Angelika Wimmer zu Gast war.
Bei der Begrüßung der Gäste bedankte sich die Bauernmarkt-Vorsitzende bei allen Direktvermarkter-Kollegen, die der Einladung gefolgt waren: „Es ist mir eine Ehre, dass ich unter anderem 19 Bauernmarkt-Vertreter begrüßen kann – und das am Vorabend des Hauptverkaufstages“, erklärte sie. Weiter dankte sie allen Unterstützern, vor allem dem Bayerischen Bauernverband und dem AELF Abensberg, die eine wichtige Säule bei der Entstehung des Bad Gögginger Bauernmarktes gespielt haben.
 

Positiver Trend

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„Direktvermarktung gehört zu den positiven Trends“, stellte Aiwanger zu Beginn fest und freute sich, dass sich bereits rund 160 Bauernmärkte und 3500 Bauernfamilien in Bayern dieser Schiene angeschlossen haben. Er begrüßte, dass die Standl-Leute auf dem Bauernmarkt im direkten Kontakt mit den Kunden stehen. „Es ist eine einmalige Chance, Kunden direkt die andere Seite zu zeigen, aufzuklären und Vorurteilen fachlich zu begegnen.“
„Gesundheit, Regionalität und Sehnsucht nach einer heilen Welt gehören zu einer Grundstimmung in der Bevölkerung, die als Marktchance genutzt werden kann“, so der Minister, der dafür plädierte, wieder ein realistisches Bild der modernen bäuerlichen Landwirtschaft zu verankern.
Aiwanger sieht die Zukunft darin, dass der Landwirt nicht für die Masse produziert, sondern direkt für den Endverbraucher. So kann er auch schneller auf Kundenwünsche reagieren und Neues ausprobieren.
„Es ist die richtige Entscheidung, in die Direktvermarktung zu gehen“, zeigt sich Aiwanger überzeugt, „diese Vermarktungsform ist eine der vielfältigen Möglichkeiten, die wirtschaftliche Lage der Betriebe zu verbessern.“ Freilich darf die Flut von Auflagen und Vorschriften nicht zulasten der Landwirte gehen. Kontrollen sollten auf Augenhöhe stattfinden und die Kontrolleure eher beratend zur Seite stehen. „Selbstverständlich müssen Kontrollen sein, aber das Wie ist entscheidend“, fügte er hinzu. An dieser Stelle bot Aiwanger an, sich in konkreten Fällen direkt mit ihm in Verbindung zu setzen, und ermutigte sie, weiter ihren arbeitsreichen Weg zu gehen.

 

Bauernmarktbeschicker als Bindeglied

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Auch Landrat Martin Neumeyer, Bürgermeister Thomas Reimer und Astrid Rundler, Tourismusmanagerin Bad Gögging, lobten die Anbieter, die mit Herzblut bei der Sache sind und gesunde Lebensmittel in bester Qualität erzeugen. „Die Landwirte brauchen für diese Spitzenprodukte auch einen fairen Preis“, betonten sie. „Die Bauernmarktbeschicker sind das Bindeglied zum Rest der Bevölkerung“, wiesen Kreisobmann Thomas Obster und Kreisbäuerin Rita Schultes hin und bezeichneten sie als Öffentlichkeitsarbeiter, die wesentlich zur Aufklärung beitragen.
Zudem bedankte sich auch Stefan Kürschner, Direktor Agrardienste im BBV-Generalsekretariat, bei den Direktvermarktern für den Unternehmermut und Beitrag für die Gesellschaft. „In dieser Schiene steckt noch Entwicklungspotenzial. Doch bitte nicht mit noch mehr Auflagen“, erklärte er und forderte mehr Planungssicherheit für die Betriebe.

Die Meinung der Menschen spüren

Sigmund Geier, Vorsitzender der Bauernmarktkonferenz, merkte an, dass hinter Direktvermarktern nicht nur Produzenten stecken, sondern Gesichter, bei denen man nachfragen kann: „Tag für Tag und Woche für Woche spüren wir als Erste die Meinung der Menschen.“
Wertschätzung für regionale und saisonale Produkte zu erzeugen, ist auch das Ziel von Cäcilie Herrmann vom AELF: „Wir tragen unter anderem mit Qualifizierungsmaßnahmen dazu bei, dass die Direktvermarktung up to date ist“, verkündete sie und appellierte an die Landwirte, die Chance im Dialog zu nutzen, „denn direkter geht es nicht.“

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