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Milchmarkt

Druck auf Anbindehalter wächst

MR_Anbindehaltung-Bayern
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
27.06.2019

Bayern MeG spricht von Käufermarkt und schwierigen Verhandlungen

Anbindehaltung
Der Druck auf Milchviehhalter mit ganzjähriger Anbindehaltung wächst. Und das ist nach Ansicht der Bayern MeG vor allem der Marktlage geschuldet. Wie Geschäftsführer Markus Seemüller auf der jüngsten Sitzung des Vorstands und des Aufsichtsrats in Herrsching erklärte, „haben wir seit zwei Jahren einen Käufermarkt“. Mengensteigerungen würden auf Absatzrückgänge im deutschen Markt treffen und selbst für traditionelle Liefergruppen gebe es Kündigungen vonseiten der Molkereien: „So was hätte es früher nicht gegeben“, so der Geschäftsführer.
Und diese Marktlage wirkt dann laut Seemüller „wie ein Brandbeschleuniger für die Anbindehalter“. Wird Milch gekündigt und versucht man, die Milch woanders unterzubringen, heiße die erste Frage immer: „Wie viele Anbindehalter sind dabei?“ Milch aus Anbindehaltung ist bei den Molkereien unbeliebt. Die Angst vor dem Handel und dem Markt, der mehr denn je Tierwohl als Verkaufskriterium entdeckt hat, ist groß.
Um Druck von den Landwirten zu nehmen, plädiert die Bayern MeG für eine schnelle Definition der sogenannten Kombinationshaltung. In der Kritik steht vor allem die ganzjährige Anbindehaltung. Und mit einer Kombinationshaltung, wie es beispielsweise die Österreicher praktizieren, könnte man für viele Betriebe einen Ausweg finden. Nach Ansicht der Bayern MeG sollte aber schnell eine Lösung gefunden werden. Der Vorsitzende Herbert Maier meinte dazu: „Die Bauern möchten schon einmal wissen, woran sie sind.“

Neue Verträge

In der Zwischenzeit machen die Molkereien Druck. In den neuen Verträgen einer schwäbischen Molkerei gibt es nun eine Klausel, die es erlaubt – sollte es der Markt verlangen – unterschiedliche Preise für Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung und Milch aus Laufställen zu zahlen. In der Milchgeldabrechnung würde sich dies dann als Zuschlag für die Laufstallbetriebe ausdrücken.
Wie auf der Sitzung zu vernehmen war, gibt es auch andere Molkereien, die sich Gedanken über ihre Vertragsinhalte machen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang eine süddeutsche Genossenschaftsmolkerei, die seit 2018 verschiedene Zuschläge je nach Haltungsform bezahlt.
Für Marktentlastung konnte auch die Dürre 2018 nicht sorgen. Die Futtermittelknappheit und ein mögliches Absinken der Milchmengen blieb aus. Auch im Osten Deutschlands gab es keine flächendeckenden Einbrüche bei der Milchanlieferung. Das verdeutlichte Dr. Gunter Martin, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bayern MeG, in Herrsching. Wie er erklärte, wurde im vergangenen Jahr noch aktiv Milch gesucht, dem sei heute nicht mehr so. „Uns wird als Landwirten nicht gerade die Tür eingerannt, dass wir Milch liefern sollen“, umschrieb Martin die Situation. Insgesamt befindet sich der Milchmarkt in einer Seitwärtsbewegung. So lässt sich in etwa die Marktanalyse von Jürgen Geyer vom Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) zusammenfassen.

Ausblick Milchmarkt

Die Fettseite ist rückläufig und zum 1. April senkte der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) die Preise für das Standardsortiment Käse. Auf der anderen Seite ist der Pulvermarkt aus seiner Talsohle gekrochen. Durch die Abschlüsse mit dem LEH (Frische und Käse) sind die Inlandspreise bis Herbst relativ fest. Auf größerer Bühne kann die EU 28 gute Exportzahlen vorweisen. Der Marktexperte des VMB geht für die zweite Jahreshälfte von steigendem Export und höherer Nachfrage aus China aus. Beim Milchgeld rechnet Geyer mit einem stagnierenden Niveau von etwa 33/34 ct/kg Milch.

Unberechenbare Einflüsse gibt es aber genug. Welche Überraschungen gibt es im Handelskrieg, den ein gewisser Herr Trump angezettelt hat? Und was passiert, wenn England dann doch einmal aus der EU austritt? Diese Fragen bleiben offen.

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