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Fipronil

Skandalthema

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
21.08.2017

München - In den Wirtschaftszweigen Automobile und Ernährung regen sich die Deutschen leicht über Ungereimtheiten auf. Doch wie was rauskommt, wird teils gesteuert.

Wolfgang Piller

Auch andere Branchen haben ihre Skandale. Aber selbst wenn Kinderspielzeug tatsächlich gesundheitsgefährdend belastet oder Industriekapitäne nachweislich korrupt sind, die Gemüter der Deutschen länger als einen Tag in Wallung zu versetzen, das schaffen nur die Autoindustrie sowie Ernährungs-/Landwirtschaftsthemen. Die einen, weil sie der Deutschen liebstes Ding herstellen und ganz nebenbei für den Wohlstand unserer Industriegesellschaft stehen, die anderen, weil Lebensmittel über Mund und Magen in unser aller Innerstes gelangen. Kein Wunder, dass Ernährungsthemen sehr, sehr sensibel beachtet werden.

Das nutzen manche aus, indem sie Themen zum Skandal aufbauschen, am besten dann, wenn die Branche gerade im Fokus steht, etwa zur Grünen Woche. Manchmal ist es aber Zufall, dass ein Skandal gerade rechtzeitig kommt, um ein Sommerloch zu füllen. Nur weil Donald Trump gerade genug Stoff liefert und bei Fipronil der Betrug erstens offenkundig sowie zweitens die Gesundheitsgefahr wirklich niedrig ist, klingt dieser Sommeraufreger schon wieder ab. In Holland kaufen die Verbraucher Eier wie zuvor. So offensichtlich wie Wasser nass ist, wurde für die Landwirte wieder einmal, dass die Gier Einzelner viele Unschuldige, ja eine ganze Branche, ins Verderben reiten kann.

Umso weniger lässt sich entschuldigen, dass die verantwortlichen Behörden, dieses Mal in den Niederlanden und Belgien, nicht sensibel genug reagiert haben. Weil die Gesundheitsgefahr für die Verbraucher niedrig war, wurde die Kenntnis der Belastung über Monate nicht publik gemacht. Die Gefahr für die Erzeuger wurde komplett ignoriert. Wofür wurde diese Zeit genutzt? Warum wurden erst als der Skandal am Kochen war, echte Ergebnisse ermittelt? Dieser Skandal hätte die Verbraucher sehr viel weniger beunruhigt, wenn Behörden schneller ermittelt und über Ländergrenzen hinweg besser zusammengearbeitet hätten.

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