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Verbraucherlüge

Fastenzeit und die Vorsätze

Supermarkt
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
07.03.2019

Wenn wieder einmal geäußerte Meinung und echtes Handeln auseinander klaffen.

Wolfgang Piller

München Mitte, Kantine des Münchner Merkur und wie immer stehen drei Gerichte zur Auswahl. Der Sieger am heutigen Aschermittwoch ist schnell ermittelt: das Schweinefilet mit Kroketten liegt klar in Front vor Chilli con Carne. Abgeschlagen erscheint hingegen der vegetarische Spinatstrudel.

Dabei wollen – glaubt man den öffentlich geäußerten Meinungen – gefühlt alle Münchner und Münchnerinnen fasten, allerdings offenbar nicht beim Fleischessen, sondern eher beim Handy-Konsum, beim So-vor-sich-hin-leben (heißt dann Achtsamkeitsfasten), beim Fernsehen (oder modern beim Serienkonsum über Netflix), beim ...

Tja, die Leute sagen viel und halten wenig. Die christliche Fastentradition tut sich da offenbar so schwer wie sonst die qualitativ hochwertigeren und deshalb teureren Produkte im Lebensmitteleinzelhandel. Das weiß jeder, der etwas verkaufen will und darüber die Leute beim Betreten eines Supermarkts befragt.

Kaum einer gibt zu, das billige Gemüse aus den Treibhäusern des Südens oder gar Erdbeeren im Februar oder Spargel im März zu kaufen. Jeder erklärt sich bereit, mehr Geld für regionale Produkte und für Bio auszugeben. Allerdings gilt das alles nur vor dem Supermarkteingang. An der Kasse sieht das anders aus.

Das ist es, was die Fleischerzeuger so skeptisch macht. Was, wenn ihre Investitionen in mehr Tierwohl nicht in höheren Erlösen münden? Wenn wieder einmal geäußerte Meinung und echtes Handeln auseinander klaffen?

Die evangelische Kirche ruft übrigens heuer als Fastenaktion dazu auf, nicht zu lügen. Also zu einer Art Lügenfasten. Das sollte man nutzen für Verbraucherumfragen. Vielleicht könnte man dann ja mal tatsächlich aus den Aussagen verlässliche Trends ableiten. Wenn es gut aussieht (und vor allem nicht viel kostet), essen viele Leute jedenfalls weiterhin Fleischgerichte, wie das Filet in der Kantine. Sogar, wenn sie es eigentlich nicht sollten, also am Aschermittwoch.

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