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Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Bio als Lebensgefühl

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Sandra Schwägerl, Wochenblatt
am
29.09.2016

München - Der Wochenblatt-Stammtisch am Tag des Ökolandbaus drehte sich um das Thema: "Wieviel Luft steckt noch im Ökomarkt?"

Diskussionsrunde auf der Bühne

Lohnt es sich noch, auf Bio umzustellen – oder ist der Zug schon abgefahren, der Markt schon gesättigt? Wochenblatt-Redakeur Wolfgang Piller suchte in „seinem“ Wochenblatt-Stammtisch Antworten auf Fragen rund um den Ökolandbau. Seine Gäste: Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Andechser Molkerei; Biobauer Hans Meier aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach und Prof. Dr. Monika Gerschau von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT).

Barbara Scheitz und Hans Meier berichteten aus der beruflichen Praxis im Ökolandbau bzw. der Vermarktung biologisch erzeugter Produkte. Prof. Dr. Monika Gerschau beleuchtete die wissenschaftliche Seite des Biomarktes.

Hans Meier hält im Landkreis Amberg-Sulzbach150 Ziegen und produziert eine Vielzahl von Bio-Ziegenmilchprodukten, die stark regional, also im Umkreis von rund 100 km um den Erzeugungsort verkauft werden. Als zweites Standbein baut Meier nach ökologischen Grundsätzen Dinkel und Braugerste an. Der Familienbetrieb Meier wurde in der vorherigen Generation noch konventionell geführt, nach Hofübergabe stellte Hans Meier den Betrieb auf Bio um. Auf Pillers Nachfrage ist er nach wie vor zufrieden über diesen Schritt.

Auch Barbara Scheitz ist überzeugt von Bioprodukten und deren ideellem Wert sowie dem Marktwert. Ihr Unternehmen „Andechser Natur“ versteht sich als Ökopionier mit über 30 Jahren Erfahrung im Biobereich. Schon vor 36 Jahren konnte man Andechser Bio-Butter kaufen. Scheitz vertritt die Meinung, man könnte als Verarbeiter nur dann gut arbeiten, wenn auch die Lieferanten zufrieden sind. So dürfen sich ihre 530 Milchlieferanten über einen derzeitigen Auszahlungspreis von fast 50 Cent/l freuen.

Professorin Monika Gerschau bezeichnet den Biomarkt als erfolgreiche Nische. Sie misst diesen Erfolg unter anderem ganz pragmatisch an dem hohen Anteil ihrer Absolventen, die nun im Bio-Bereich tätig sind. Auf Pillers Frage nach Gründen für den Erfolg biologischer Produkte antwortete Gerschau: „Da spielen ganz persönliche Gründe eine große Rolle. Besserer Geschmack, gesündere Ernährung für die Kinder und eine gewisse Art von Kultur.“ Bio ist ein Lebensgefühl – auch in diesem Punkt sind sich die drei Gesprächspartner einig.

Um diesen Biotrend wahren zu können, bräuchten die Landwirte einen verlässlichen politischen Rahmen und gute Vermarktungschancen, so Gerschau. Lücken im regionalen Bio-Angebot gäbe es laut Meier im Bereich Getreide und Gemüse. Er wünscht sich mehr Förderung der Ausbildung von Landwirten speziell im Ökolandbau.

Dieser biete der Landwirtschaft große Chancen, um kleinbäuerliche Strukturen mit freiem Saatgut usw. erhalten zu können, meint Barbara Scheitz. Ihr Ausspruch: „Ökologische Landwirtschaft im Kleinen kann die Welt verändern, daher hoffe ich dass die ‚Bio-Reise‘ kein Ende findet – im Gegenteil! Ich denke, wir können im Ökomarkt noch viel erreichen.“

Monika Gerschau unterstreicht dies mit einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Laut dieser sind Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit Wünsche von Befragten für das Jahr 2100.

Fazit dieses Stammtisches: Der Biomarkt ist selbstbewusst!

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