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Regenerative Energie

Biotreibstoffe - Zu komplex für Politiker

Rapsfeld
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
07.12.2017

Einfach denken ist immer dann der Schlüssel zum Erfolg, wenn die Lage nicht kompliziert ist. Leider gibt es auch den anderen Fall.

Wolfgang Piller

Dann sollten sich die sogenannten Entscheidungsträger auch die Mühe machen und zumindest versuchen, die komplexe Lage zu verstehen und zu berücksichtigen. Würde man meinen. Aber was sich wie eine Binsenwahrheit anhört, scheint keineswegs der Normalfall zu sein.

Diesmal geht es um die Biotreibstoffe. Und was auf den ersten Blick ganz einfach aussieht, ist mit etwas mehr Durchblick doch ganz anders. Einfach erscheint, dass sich mit Biotreibstoff aus Reststoffen effektiver Treibhausgase einsparen lässt, als mit Biotreibstoff aus extra dafür angebauten Rohstoffen.

Doch der kleine Rausch über ihre Machbarkeitsstudien und die ersten erfolgreichen Umsetzungen trüben den verantwortlichen Politikern ganz offenbar dann doch den Blick. Denn was in ihren Rechnungen fehlt, sind die Nebenprodukte von Raps-Biodiesel und Bioethanol, nämlich die eiweißreichen Futtermittel. Sie tragen ganz wesentlich dazu bei, dass die EU weniger Sojaschrot als früher importieren muss. Fallen sie weg, fehlen diese heimischen und garantiert gvo-freien Eiweißträger bei allen möglichen Markenprogrammen, vor allem bei der Milch. Also müssten sie wieder ersetzt werden. Womit? Sojaschrot aus Übersee. Der Klimaschutz grüßt jetzt schon.

Es ist so offensichtlich, dass der Energierapsanbau inklusive seiner Koppelprodukte bewertet werden muss, dass es kaum nachvollziehbar ist, wenn dies nicht passiert. So komplex erscheint die Rechnung außerdem gar nicht. Im Gegenteil: Eine Rechnung mit zwei Unbekannten zu lösen, gehört zu den einfacheren mathematischen Aufgaben. Auch Juristen und Volkswirte, also Politiker, sollten dazu in der Lage sein. Die Landwirte sind es.

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