Login
Ernte 2018

Deutscher Bauernverband korrigiert Ernteschätzung nach unten

Claas Mähdrescher, Getreide
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
06.08.2018

Der Deutsche Bauernverband rechnet statt der zuletzt geschätzten 41 Mio. t Getreide nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Mio. t.

Aufgrund der Hitze und Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands hat der Deutsche Bauernverband (DBV) seine Ernteprognose noch einmal deutlich nach unten korrigiert und Die neuen Zahlen aus dem zweiten Erntebericht beziehen laut DBV nun in großem Umfang die tatsächlichen Erntemengen mit ein. Mit der Bestätigung der pessimistischen Einschätzungen aus den zurückliegenden Tagen forderte DBV-Präsident Joachim Rukwied die Bundesländer zum zügigen Handeln auf, der Bund müsse dann folgen. "Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung. Die aus unserer Sicht eindeutigen Zahlen lassen eine grundsätzliche Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt zu", erklärte Rukwied. Nach den vorliegenden Meldungen aus den Landesbauernverbänden seien die Voraussetzungen für Finanzhilfen durch die Länder in den besonders betroffenen Regionen klar erfüllt.

Die ungewöhnlich weit fortgeschrittene Ernte, selbst in den norddeutschen Regionen, zeige ein "katastrophale Ausmaß der Dürreschäden". "Die Erntemengen bleiben deutlich hinter unseren ohnehin geringen Erwartungen zurück", betonte Rukwied. Wegen der geringen Ertragserwartungen und der Sorge um eine ausreichende Futterversorgung hätten einige Betriebe ihre Getreidebestände vorzeitig gehäckselt. Auch für Körnermais werden erhebliche Einbußen erwartet. Bei der Verwendung als Silomais hätte dies Auswirkungen auf die Qualität des Futters, erklärte Rukwied mit Blick auf die Futterversorgung.

Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) will erst nach einer amtlichen Erntebilanz Ende August über mögliche Beihilfen des Bundes entscheiden. Das ist möglich, wenn Schäden von "nationalem Ausmaß" festgestellt werden. Zuletzt war dies 2003 wegen einer Dürre der Fall. Laut APA informierte Klöckner heute, Mittwoch, das Kabinett über die aktuelle Lage. Zuständig für Finanzhilfen sind aber zuerst die Länder.

Weizenerträge bei durchschnittlich 6 t/ha

Laut dem jüngsten DBV-Bericht steht die Weizenernte in den meisten Regionen vor dem Abschluss. Es ist die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart mit einer Anbaufläche von 2,96 Mio. ha. Die Druschergebnisse lassen im Bundesdurchschnitt auf einen Ertrag von 6 t/ha schließen.

Damit liegt der Ertrag dieser für das gesamte Ernteergebnis so wichtigen Getreideart 20% unterhalb des Vorjahresertrages in Höhe von 7,7 t/ha. Der Durchschnittsertrag der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 8 t/ha wird sogar um 25% verfehlt. Folglich ergibt sich eine Winterweizenernte in Höhe von knapp 18 Mio. t (Vorjahr: 24,1 Mio. t), teilte der DBV mit.

Winterroggen von Dürre besonders betroffen

Eine für den von der Trockenheit besonders betroffenen Norden und Osten Deutschlands wichtige Getreideart ist Winterroggen. Hier stehen 448.000 ha der insgesamt zur Ernte 2018 angebauten 532.000 ha. Auch Roggen wird in Kürze vollständig eingebracht sein. Die Erträge fallen mit nur 3,7 t/ha deutlich hinter den Vorjahreswert von 5,1 t/ha zurück (minus 28%) und auch der Durchschnittsertrag der letzten fünf Jahre von 5,7 t/ha wird um 35% unterschritten. Insgesamt geht der DBV in diesem Jahr von einer Roggenernte von knapp 2 Mio. t aus (2017: 2,7 Mio. t).

21% weniger Ertrag bei Raps

Die Ernte von Winterraps, der wichtigsten Ölpflanze im deutschen Ackerbau, ist bis auf Restflächen abgeschlossen. Im Bundesdurchschnitt wird ein Ertrag von nur knapp 2,6 t/ha erzielt. Das ist gegenüber dem Vorjahresertrag ein Rückgang um 21%, der Fünfjahresdurchschnitt wird sogar um 32% verfehlt. Unter Berücksichtigung der Anbaufläche von 1,26 Mio. ha beläuft sich die diesjährige Rapsernte auf knapp 3,3 Mio. t. Gegenüber der Vorjahresernte entspricht dies einem Rückgang von etwa 1 Mio. t Raps beziehungsweise einem Minus von 24%. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre ernteten die deutschen Bauern noch 5,2 Mio. t, teilte der DBV mit.

Auch interessant