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Ernteerträge

Drohkulisse

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
11.05.2017

München - Rekordernte! Das bedeutet schon lange nicht mehr, dass auch im Nachbarlandkreis die Silos voll sind, sondern dass die Abnehmer quer über den Globus aus dem Vollen schöpfen können.

Wolfgang Piller

Jetzt schon mehrere Jahre hintereinander fiel die Bilanz bei Getreide und den Ölsaaten (mit ein paar Ausnahmen) mindestens rekordverdächtig aus. Seitdem mehren sich, wenn es um das Einschätzen der bevorstehenden Marktlage geht, die warnenden Stimmen: Wehe, wenn nach dieser Rekordernte noch eine nächste kommt! Der Rekord verkommt zur Drohkulisse.

Und tatsächlich erscheint mittlerweile eine schwache Ernte als die lukrative. Wir erleben ja auch schon eine vergleichsweise lange Durststrecke zumindest bei den Getreidepreisen. Bei den Ölsaaten hat sich das Wetterphänomen El Niño vorübergehend preisstützend verhalten. Und doch hat weder die dritte noch die vierte Weltgetreideernte auf Rekordniveau die Preise immer weiter abstürzen lassen. Und die Rapspreise zeigen sich gerade recht robust gegen die Meldungen weiterer Rekorde bei den Konkurrenzprodukten und bei den Anbauzahlen der großen Exportnationen.

Der Grund dafür findet sich im beständigen Wachstum der Weltbevölkerung in Verbindung mit einer wieder etwas anziehenden Weltkonjunktur. Der Finanzkrisen-Schock mit dem Einbruch im Verbrauch scheint sich abzuschwächen. Asien findet zurück zum Hunger nach Fleisch. Das zeigen die steigenden Schweinefleischexporte nach China, Hongkong, Südkorea. Mehr als Rekordernten, die auf die Preise drücken könnten, müssen wir wohl tatsächlich schwache Ernten fürchten, die schneller auf das politische und auch marktpolitische Weltgefüge durchschlagen können, als uns lieb sein dürfte. Und erst recht muss natürlich die Sicherung der Welternährung als oberstes Ziel Bestand behalten. Dafür werden Rekordernten nötig bleiben.

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