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Vermarktung

Die Gefühle der Leute ansprechen

Geschäftsführerin
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
03.07.2017

München - Der Verein „Unsere Bayerischen Bauern“ startet durch. Mit den modernen Massenmedien erreicht er Millionen. Doch jetzt sind die Bauern gefragt – damit es weitergehen kann, muss die Finanzierung geklärt werden.

Diese Zahlen sollten jeden Landwirt in Bayern interessieren: 3.858.821 Facebook-Kontakte, 24.426.153 Menschen, die die Internet-Werbebanner gesehen haben, über 192.000 waren direkt auf der Webseite, 927.000 Radiohörer haben einen redaktionellen Beitrag gehört und fast 5 Mio. Menschen Plakate oder Aufkleber gesehen, Broschüren in den Händen gehalten oder auf Veranstaltungen ein Gespräch geführt – nur im Monat Mai. Es sind die Kontaktzahlen für den Verein „Unsere bayerischen Bauern“. Sein Ziel ist es, die Landwirtschaft im rechten Licht darzustellen und sich darum zu kümmern, dass die öffentliche Wahrnehmung der hiesigen Landwirtschaft nicht mehr nur durch die Kritiker der Umwelt- und Tierschutzverbände oder fachfremde Fernsehredakteure bestimmt wird.
Gerade die Online-Zahlen sind leicht zu erheben, aber sind nun über 34 Millionen Mai-Kontakte hoch oder eher niedrig? „Doch sie sind hoch, der Response ist toll“, bestätigt Eva-Maria Haas, sie wirkt froh und auch etwas stolz. Kein Wunder, „kein vergleichbares Portal erreicht das“, sagt sie. Haas ist seit April 2016 für den damals gegründeten Verein verantwortlich. Wer ihr zuhört, muss sich ungeheuer anstrengen.

Geschickt mit den Massenmedien spielen

Nicht nur, weil sie in kürzester Zeit unglaublich viele Worte aussprechen kann, sondern noch viel mehr, weil sie Wörter verwendet, die fremd sind oder zumindest fremd klingen. „Wir brauchen Sichtbarkeit“, „wir haben Reichweite“, „wir setzen Mediengeld ein“, „wir optimieren uns für Suchmaschinen“ – es ist die Sprache eines Medienprofis. Das muss sie auch sein, denn ihr Job ist es ja, möglichst vielen Menschen in Bayern in möglichst sympathischer Art und Weise zu erklären, was Bauern tun und wozu.
Dafür sind Fernsehen und Radio, aber erst recht Internet und Facebook außerordentlich geeignet – wenn man sich ihrer geschickt zu bedienen weiß. Private Radiosender nutzen zum Beispiel gerne vorproduzierte redaktionelle Beiträge, die wesentlich billiger herzustellen sind, als Werbespots kosten würden. Die Reichweite ist erheblich: Mehrere Hunderttausend hörten solche Beiträge über den Milchbauern oder den Schweinehalter aus ihrer Nachbarschaft.
Vielleicht noch wertvoller sind aber auch direkte Kontakte wie etwa letztens bei der Bauernmarktmeile in Nürnberg. Für solche Veranstaltungen gibt es extra Werbematerial, das nicht nur den Namen und die Ziele des Vereins bekannt macht, sondern möglichst den Verbrauchern einen kleinen Zusatznutzen bringt. Ein Rezept zum Beispiel oder ein Tütchen mit Kresse- oder Radieserl-Samen erleichtern, in Kontakt zu kommen. Kleine Aufkleber auf Produkten der Direktvermarkter verweisen zuhause noch auf das Internetportal. Nicht immer kann der Verein sozusagen persönlich vor Ort sein. Für diesen Fall gibt es Plakatwände, auszulegendes Werbematerial oder auch Filme, die abgespielt werden können.
Sich in und mit den Massenmedien zurechtfinden, sie für die eigenen Zwecke so gut als möglich nutzen, ist Eva-Maria Haas eigentlicher Job. Aber sie muss nicht nur die Verbraucher ansprechen, sondern auch die Landwirte erreichen. Die bayerischen Bauern konnten die Ex-McDonald‘s-Mitarbeiterin zur Genüge kennen lernen: Im Herbst und Winter hat sie 60 bis 70 Bauernversammlungen besucht, um ihre Anliegen rund um den neuen Verein darzulegen. Wo sie nicht selbst da sein konnte, konnten die Veranstalter einen sich selbst erklärenden Film abspielen.

Es nützt jedem, also sollte jeder mitzahlen

Denn eines ist klar: Nur wenn möglichst viele mit am Strang ziehen, kann das Projekt gelingen. Denn nicht zuletzt geht es auch um die Finanzierung. Anders als früher bei CMA soll es keinen Pflichtbeitrag geben. „Unsere Bayerischen Bauern“ setzt vielmehr auf eine freiwillige Finanzierung seitens der Landwirte. Nur, da müssen möglichst viele mitmachen. Kirchturmdenken und Eifersüchteleien zwischen den einzelnen Berufsgruppen sind fehl am Platz. Letztlich haben immer alle Landwirte teil am Erfolg, auch wenn natürlich in den einzelnen Maßnahmen einzelne Betriebszweige herausgestellt werden. Auf längere Sicht sollte niemand bevorzugt oder benachteiligt werden und: Es zählt sowieso nur der langfristige, der nachhaltige Erfolg.
Möglichst gerecht soll der Verein natürlich trotzdem finanziert sein. Einfach gesagt: Wer mehr hat, soll mehr zahlen, wer wenig hat weniger. Und: Niemand sollte zweimal zur Kasse gebeten werden.
Derzeit geht es darum, über sogenannte Branchenlösungen geeignete Flaschenhälse für eine möglichst effiziente Einnahmenstruktur zu identifizieren und nutzbar zu machen. Das können Verbände sein, aber auch Erzeugergemeinschaften oder Händler. Die entsprechenden Gremien erarbeiten tragfähige Konzepte.
Das geht weniger schnell, als Haas sich das ursprünglich gewünscht hatte. Auch aus diesem Grund sind die (teureren) Maßnahmen etwas zurückgefahren. Etwa war eine bayernweite Plakataktion angedacht, Kostenpunkt: 250 000 €. Zu viel, aber Not macht erfinderisch und jetzt gibt es stattdessen für Landwirte kostenlose Plakate mit 2,50 x 1,80 m Größe, die sie an möglichst auffälligen Stellen wie einem Scheunentor, einer selbst gebauten Plakatwand oder auch dem Biogasbehälter aufhängen können. Über 2000 solcher Plakate sind schon herausgegeben.
Das Ziel aller Maßnahmen ist immer das gleiche: Schritt für Schritt zu den Verbrauchern vordringen. Dazu will der Verein emotional sein, also die Gefühle der Menschen berühren. Die Verbraucher müssen sich möglichst identifizieren können mit den bayerischen Bauern und ihren Produkten. Die Ideen dazu fehlen nicht. Immer öfter kommen auch Landwirte oder kleinere Gruppen auf Eva-Maria Haas zu mit eigenen Ideen und der Bitte, wie der Verein dabei helfen könnte.
Demnächst wird der Verein auf den großen Volksfesten zu sehen sein und bei Maislabyrinthen, aber natürlich auch weiterhin bei Facebook. Jede Woche postet der Verein acht oder neun Meldungen – die nie langweilig werden, weil die bayerische Landwirtschaft vielfältig und spannend ist. Die Zahlen werden also weiter steigen und jede einzelne bedeutet, dass sich Menschen mit der bayerischen Landwirtschaft und ihren Anliegen konfrontiert sahen.

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