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Pflanzenschutz

Gegenwehr

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
05.09.2016

München - Die Supermärkte sind voll. Immer. Kein Deutscher muss hungern, weil eine Ernte schlecht war und es nicht genug für alle gibt.

Wolfgang Piller

Seit vielen Jahren ist das so. Wenn jetzt das Anlegen von Notrationen empfohlen wird, dann wegen der unruhigen Weltlage, vielleicht auch wegen der Energiewende oder einfach nur wegen des Sommerlochs. Aber sicher nicht aus Sorge vor einer Versorgungslücke.

Daran denkt kein Mensch. Sie, liebe Landwirte, sind vielleicht die Ausnahme. Denn Sie wissen sehr wohl: In einem Jahr wie diesem kommt es sehr darauf an, die heranwachsenden Feldfrüchte, das Gemüse und das Obst zu schützen. Das Getreide war heuer einem enormen Pilzdruck ausgeliefert, die Fungizidmaßnahmen dürften sich sehr gelohnt haben, das gleiche gilt dem Schutz der stehenden Halme vor Lager. Erinnert sei an das Fusariumrisiko. Noch gibt es keine Werte, aber die Gefahr massiver Belastung mit Mykotoxinen war so hoch wie lange nicht mehr. Noch viel mehr bedrohten die Schadpilze die Kartoffeln, das Obst und Gemüse. Die Ökoerzeuger von Kartoffeln haben Mühe und Not, ihre Ernte zu retten. In einem Jahr wie diesem waren früher Hungersnöte zu erwarten.

Doch es wird zunehmend schwer, in der EU Pflanzenschutzmittel zugelassen zu bekommen – obwohl Jahr für Jahr die Belastung mit Rückständen nachgewiesen extrem niedrig ist. Bewährte Mittel stehen vor dem Aus. Oft scheinen vorgeschobene Gründe wichtiger genommen zu werden als der Schutz der wachsenden Nahrungsmittel. Auch ohne den bisher bekannten Pflanzenschutz wird es wahrscheinlich noch genug zu essen für alle geben. Der internationale Handel gleicht regionale Einbußen aus. Aber wir leben hier in einer Region, die mit vielem gesegnet ist – auch mit wechselhaftem Wetter und hohem Druck auf die heranwachsenden Feldfrüchte. Für die Erzeuger geht es um marktfähige Ware, für die Verbraucher zumindest um marktnah erzeugte Lebensmittel.

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