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Braugerste

Da geht noch was

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
21.07.2016

München - Es ist das älteste Qualitätsprogramm der Welt – Bayerns Brauer feiern an diesem Wochenende 500 Jahre Reinheitsgebot.

Wolfgang Piller

Drei Tage lang gibt es Rummel in der Münchner Innenstadt rund um das bayerische Bier. Danach werden die Brauer wieder im Alltag ankommen und sich um ihre Rohstoffe kümmern müssen. Letztes Jahr stand der Hopfen im Mittelpunkt: Der heiße Sommer hat ihn verdörrt und anschließend wurde die Ware mehr zugeteilt, als verkauft. Heuer steht die Braugerste im Fokus. Die Anbaufläche in Bayern schrumpft weiter, die Erträge gleichen das nicht aus.

Doch diese Lücke in der Versorgung mit heimischer Ware lässt die Brauer offenbar kalt. Warum auch nicht? Von irgendwoher wird schon etwas kommen. Vielen hiesigen Braumeistern und auch dem Brauerbund kann man keinen Vorwurf machen. Etliche haben sich um regionale Rohstoffkonzepte gekümmert. Es sind eher die großen Multis, die nicht auf ihre Lieferanten achten. Preis ist alles. Geiz ist geil. Außer, wenn es ihre Kunden sind, dann wird über das Verbraucherverhalten gezetert. Verlogener geht es kaum noch.

Doch Hochmut kommt vor dem Fall. In Spiegel online ist gerade ein Artikel zu lesen über einen Streit zwischen einer kleinen rumänischen Handwerksbrauerei und Heineken, also zwischen David und Goliath; der Titel ist ein Zitat des kleinen Brauers: „Die Großen brauen kein Bier, sie machen Enzymplörre“ und im Mittelpunkt steht sein Credo für Hopfen, Gerste, Wasser. Ein extremes Beispiel. Aber es kommt bei den Menschen gut an. Die Craftbeer-Szene mischt den Biermarkt auf. Das könnten viele der hiesigen Brauer nutzen, denn ihr Produkt entspringt oft alter Handwerkskunst – und den heimischen Rohstoffen. Warum diese noch nicht jeder Handwerksbrauer als starkes Pfund für Glaubwürdigkeit und Verbundenheit mit der Region entdeckt hat, ist ein Rätsel. Da geht noch was und dann lässt es sich wirklich feiern.

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