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Getreidemarkt

Getreide für die ganze Welt

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
14.09.2017

München - Die Analyse der Getreidemärkte ist ein bisschen wie das Lesen in der berühmten Glaskugel.

Während in den Northern Plains in den USA der Sommerweizen mit Trockenheit kämpft, ist auf der anderen Erdhalbkugel noch nicht einmal ausgesät worden. Prognosen gibt es, doch sie ändern sich täglich.

Eine Schätzung für das Wirtschaftsjahr 2017/18 ist deshalb sehr schwierig. Ein Blick darauf lohnt sich trotzdem, denn er könnte Aufschluss darüber geben, ob die Preise steigen oder fallen. Besonders bemerkenswert in der Prognose des deutschen Agrarministeriums (Seite 78) ist die Sicht auf das Große und Ganze.

Die weltweite Getreidebilanz (ohne Reis) fiel die vergangenen Jahre (einschließlich 2016/17) positiv aus. Das heißt: Die Erzeugung übertraf den Verbrauch und die Lagerbestände konnten jedes Jahr weiter aufgefüllt werden. Doch damit scheint 2017/18 vorerst Schluss zu sein. Zumindest laut Prognose.

In der aktuellen Schätzung geht man davon aus, dass auf der gesamten Erdkugel 2049 Millionen Tonnen Getreide geerntet werden können, bei einem Verbrauch von 2089 Millionen Tonnen. Die Lagerbestände werden nach vier Jahren erstmals wieder sinken.

Schaut man auf die beiden weltweit wichtigsten Kulturen, Weizen und Mais, wird das Minus vor allem beim Mais verursacht. Für 2017/18 geht man davon aus, dass 60 Millionen Tonnen weniger produziert werden. Bei nahezu konstantem Verbrauch entsteht eine Lücke von 38 Millionen Tonnen. Diese Unterversorgung kann aus den gut gefüllten Lagern locker aufgefüllt werden, doch welche Auswirkungen hat das auf den Preis? Und was machen die Spekulanten? Wenn die Prognose in etwa so eintritt, müsste der Preis für Mais wieder anziehen. Ob der Mais den Weizen dann mitziehen kann? Die Glaskugel wird es wissen.

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