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Export

Getreidemarkt - Bestenfalls eine Untergrenze

Getreide Export Hafen
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
25.01.2018

Der Blick auf die Matif-Weizenkurse und die Berichte über die Exportschwäche des EU-Getreides erklären den Frust am europäischen Getreidemarkt hinlänglich.

Es geht einfach nichts vorwärts. Der EU-Weizen ist an den Weltmärkten derzeit nur zweiter Sieger, d. h. erster Verlierer. Preisimpulse über den Export fehlen in diesem Marktjahr (mit Ausnahme vielleicht bei der Gerste). Und das wird noch eine Weile so bleiben: Die Schwarzmeerhäfen sind eisfrei und der Euro so stark, dass er das hiesige Getreide im internationalen Geschäft zusätzlich verteuert. Weil die Weizenkontrakte der Matif vom Exporthafen in Rouen abgeleitet werden, tut sich auch bei den Kursen nichts.

Doch unter dem Schirm der Warenterminbörsen und im Hinterland der Seehäfen gibt es auch noch einen Markt. Gerade weil international der Weizen so billig ist, hat er an den Heimatmärkten Erfolg. Für die Mischfutterindustrie und die Tierhalter liefert er derzeit kostengünstig Futter und die Stärkefabriken und Ethanolwerke können preiswerten Rohstoff veredeln. Das erzeugt Nachfrage und generiert an den Marktplätzen den einen oder anderen Euro auf den Börsenkurs drauf. (Billiges) Angebot schafft also Nachfrage und die setzt damit zum einen eine Untergrenze bei den Preisen und zudem nimmt sie Ware aus den Lägern. Das ist nicht zu verachten, denn so beginnt zumindest das nächste Marktjahr einigermaßen unbelastet.

In den letzten Jahren hat vor allem der Export die Getreidepreise stabil gehalten. Jetzt ist es die Binnennachfrage. Der Blick auf den Weltmarkt ist also längst nicht alles. Doch wie man es dreht und wendet: Für eine echte Wende am Weizenmarkt braucht es ganz andere Impulse, entweder seitens der Nachfrage, denkbar durch konjunkturelle Anschübe in Asien, oder durch Produktionseinbruch in einer bedeutenden Erzeugerregion.

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