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Handel

Gewinn durch Verzicht

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
09.02.2017

München - Das Hemd ist einem näher als der Rock – wie alle Sprichwörter ist auch dieses oft überprüft. Doch es ist auch so, dass ein kurzfristiger Vorteil oft durch erst später sichtbare Nachteile mehr als aufgefressen wird. Das billige Schnäppchen entpuppt sich allzu oft als „sein Geld nicht wert“. Genauso kann es aber auch beim Verkaufen sein: Wer nur nach dem allerletzten Höchstpreis schielt, übersieht schnell, was er sich damit noch alles einhandelt oder was er damit aufs Spiel setzt.

Wolfgang Piller

Natürlich muss ein landwirtschaftlicher Unternehmer schauen, dass er seine Waren vernünftig verkauft, wenn möglich auch zu Höchstpreisen. Nichts an ihnen ist anrüchig. Aber unternehmerisch ist es eben auch, nicht nur an den eigentlichen Preis für die Ware zu denken, sondern auch daran, was links und rechts des Geschäfts noch alles verhandelt wird – ohne dass es immer ausgesprochen wird. Verlässlichkeit wird zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück erstattet, wenn man selber einen verlässlichen Partner braucht.

Bei der genossenschaftlichen Viehvermarktung geht es noch um etwas anderes: Anders als beim Händler oder Fleischkonzern gilt deren Blick nicht nur der reinen Handelsmarge, sondern auch dem Wohl der Mitglieder sprich Erzeuger. Der Händler ist auch mit niedrigen Erzeugerpreisen zufrieden, solange die Marge passt (auch wenn höhere Preise für den Handel immer besser sind). Kein Schlachter bezahlt freiwillig mehr, wenn niemand mehr fordert. Das müssen die Erzeuger schon selbst machen und haben organisiert mit Sicherheit dazu mehr Kraft, als ein Einzelner es je wird haben können. Andererseits muss der Einzelne den eigenen Organisationen auch die Power geben, sprich über sie vermarkten. Manchmal sollte man auf ein paar schnelle Cents verzichten. Das ist eine Investition, und wenn die Vermarkter gut arbeiten, zahlt sie sich bald aus.

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