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Qualitätskriterien

Griff in fremde Taschen

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
12.04.2017

München - Qualität kann ganz verschieden sein. Im Falle von Raps erhöht ein hoher Ölgehalt die Ausbeute. Mehr Öl im Korn heißt weniger Bedarf am Rohstoff.

Wolfgang Piller

Genau dafür bezahlen die Ölmühlen ihren Lieferanten eine Qualitätsprämie, ersparen sich im Gegenzug aber gewisse Mengen im Einkauf. Beide, Erzeuger und Verarbeiter profitieren also. Und dass die Verarbeiter bislang ihren Vorteil zu 100 % an die Erzeuger abtraten? Das glaubt nicht einmal der Osterhase.

Mit modernen (und im Saatguteinkauf gut bezahlten) Sorten lässt sich die bisherige Qualitätsschwelle von 40 % Ölgehalt immer öfter erreichen. Das hat offenbar die Ölmüller auf den für sie plausiblen Gedanken gebracht, die Schwelle um zwei Prozentpunkte nach oben zu setzen. Angeblich geht die Initiative auf französische Verarbeiter zurück, wo es bislang noch keine Qualitätsschwelle gab. Doch den hiesigen Ölmühlen wird der Gedanke nicht fern gelegen haben; lautstark zurückweisen tun sie ihn nicht.

Warum auch? Damit würden sie in Zukunft mehr Öl zum gleichen Preis bekommen. Die Erzeuger aber würden einen Teil ihres Erlöses verlieren. Kein Wunder, dass sie nicht einverstanden sind. Zumal die Argumente für die Erhöhung der Qualitätsschwelle eher dürftig sind. Der internationale Handel würde durch einheitliche Abrechnungen vereinfacht – in Zeiten von Computern? Wo ein einfacher Taschenrechner reicht? Die tatsächlichen Rapspreise seien dadurch attraktiver als an der Matif – doch die Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage, ein Qualitätsmerkmal wie der Gehalt der wertbestimmenden Größe ist immer eingepreist. Und: Bei Matifkursen gilt der zweite Blick immer den zugrunde gelegten Größen. Nein, dieser Griff in die Taschen der Landwirte wird einfach etwas beschönigt, weil er ansonsten schlicht ungehörig ist.

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