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Spekulation

Die großen Stellschrauben

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
21.09.2017

München - Der Blick auf die Agrarmärkte sorgt immer für Spannung. Wie viel Weizen kommt aus Amerika, hält sich der hohe Preis für Milchfett, und wohin bewegen sich die Schlachtpreise?

Der Markt ist ständig in Bewegung, dafür sorgen auch die Börsenprofis und Spekulanten. Besonders extrem ist dieser Einfluss auf den Getreidemärkten. An der Börse in Chicago wird das zigfache der weltweiten Getreideernte gehandelt. Es geht ums Zocken und Wetten. Und das kann immer wieder zu Verwerfungen und Kurssprüngen führen.

Tanzen die Kurse in anderen Börsenbereichen wie der Automobilindustrie oder dem Versicherungssektor, ist das für ein gewisses Klientel unangenehm. Wenn wir aber über Verwerfungen im Agrarsektor sprechen, sprechen wir von der Ernährung der Menschheit. Spielen die Kurse verrückt, schlägt man den Menschen das Brot aus der Hand. Und dieses Treiben geht munter weiter.

Aus der Finanzkrise und den Hunderten von Milliarden Euro, die man den Banken in den gierigen Schlund geworfen hat, hat man offensichtlich nichts gelernt. Die Politik hat es versäumt, an den großen Stellschrauben zu drehen. Und sie wird es weiter versäumen, wenn sie sich den Schraubenschlüssel von den falschen Göttern der Weltfinanz aus der Hand nehmen lässt. In diesem Sturm der Globalisierung muss sich auch der Erzeuger von Agrarrohstoffen warm anziehen. Der Landwirt muss nicht nur Marktkrisen aussitzen, er ist plötzlich auch am Hunger der Menschheit schuld und macht in der Produktion alles falsch. Nach unten treten, was man oben nicht verhindern kann, nennt man das!

Die Zockerei und das Spiel der Hosenträger-Heinis an den Agrarbörsen ist nur möglich, da es noch jemanden gibt, der den Rohstoff produziert. Ein Weizenmarkt ohne Weizen wäre witzlos. Oder nicht? Wer weiß?

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