Login
Marktinteressen

Handel - Wenn zwei sich streiten...

Donald Trump
Thumbnail
Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
19.04.2018

Vieles deutet aktuell darauf hin, dass aus Trumps Handelsstreit mit China vermutlich doch kein Handelskrieg eskaliert.

Wolfgang Piller

Erst hatten es die Europäer geschafft, aus der Schusslinie der Amerikaner zu gelangen, jetzt wollen offenbar auch die zwei Supermächte, bevor sie zu Superfeinden werden, an den Tisch der Handelsdiplomatie zurückkehren. Das wäre bestimmt für alle gut, mit der Ausnahme der unvermeidlichen Kriegsgewinnler.

Zu diesen gehört immer die Branche, die als erstes durch neu eingeführte Zölle geschützt werden sollte. Also zum Beispiel die US-Stahlindustrie. Doch in der Folge zahlen viele andere die Zeche, auch in dem Land, das neue Zollschranken eingeführt hat, also jetzt die USA. Die Rechnung besteht nicht nur in Form von Zöllen, die die Gegenseite als Reaktion erhebt, sondern auch in höheren Verbraucherpreisen im Inland als Folge des dann zollgestützen Marktes. Nach dem Motto „wo zwei sich streiten, freut sich der Dritte“ werden schon manche hierzulande die Hände gerieben haben und auf steigende Preise am Schweine- oder Getreidemarkt gehofft haben.

Doch schnell winken Marktexperten ab. Bestenfalls kurzfristig wären wohl Preisausschläge vorstellbar. Schnell aber würden Verwerfungen an den Weltmärkten für Druck auch auf unsere Märkte sorgen. Einem kurzzeitigen Mitnahme-Effekt würden sehr viel länger andauernde Marktstörungen gegenüber stehen. Keiner weiß, wie lange sich solche provozierten Marktverwerfungen auswirken und wen alles sie tatsächlich wie treffen. Schon klar: Das Preisniveau auf den Weltmärkten ist erbärmlich niedrig und könnte jeden Impuls nach oben gut vertragen. Aber dieser Impuls sollte am besten aus der Nachfrage heraus entstehen oder aus einer Angebotsdelle. Kriegsgewinne aber sind fast immer langfristig schädlich.

Auch interessant