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Wert von Lebensmitteln

Hungerpolitik

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
13.10.2016

München - Eine Notration für Krisenzeiten? – Diese Empfehlung der Bundesregierung hat vor wenigen Wochen für helle Aufregung gesorgt.

Zu weit weg ist die Vorstellung, dass die allgegenwärtige (Über-)Versorgung mit den lebenswichtigen Gütern nicht mehr immer und überall verfügbar sein könnte. Egal wie Empfehlung wirklich gemeint war, sie zeigt: Nahrungsmittel werden in unserer Welt nur dann zur Mangelware, wenn das Verteilsystem nicht funktioniert. So gut wie nie ist das eine Frage der Verfügbarkeit. Es gibt genug von allem.

Das ist nicht überall so. Der pünktlich zum Welternährungstag veröffentlichte Welthungerindex bringt ein weiteres Mal in Erinnerung, dass immer noch Menschen an Hunger und Mangelernährung leiden (fast 800 Millionen) und dass sich die Welt vorgenommen hat, bis 2030 Hunger auszumerzen. Dabei gibt es unübersehbar Fortschritte. Es hungern deutlich weniger Menschen als früher und das, obwohl mehr Menschen die Welt bevölkern. Die Landwirtschaft ist immens leistungsfähig geworden und kann genug Lebensmittel produzieren, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Anscheinend schaffen es die Bauern, in ihrer Produktion mit dem Zuwachs an Menschen Schritt zu halten, ihn sogar zu überholen.

Wer die Ursache für Hunger sucht, findet sie stattdessen fast immer in der Politik. Bewaffnete Konflikte und Kriege, schlechte Politik und Korruption der politisch Verantwortlichen sind es, die Hunger auslösen. Der zweite wichtige Grund für Hunger ist Armut. Billige Agrarpreise helfen den Hilfsorganisationen, mit ihren Budgets kurzfristig mehr Menschen in Krisenregionen satt zu machen. Doch wer den Hunger in der Welt dauerhaft und nachhaltig beseitigen will, muss vielmehr für gerechte Systeme vor Ort sorgen. Höhere Marktpreise für Agrarrohstoffe helfen mehr, als dass sie schaden. Und den Reichen auf der Welt sollte ihr Essen sowieso mehr wert sein.

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