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Ernte 2016

Kein Ramsch

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
23.06.2016

München - Am Weltgetreidemarkt ist alles eine Frage des Preises. Nichts anderes zählt als Angebot und Nachfrage.

Wolfgang Piller

Dreimal hintereinander haben die Ackerbauern weltweit hervorragende Getreideernten eingefahren. Sie haben offenbar ein stabil hohes Niveau erreicht, das zuvor kaum für möglich gehalten worden war. Wer mit der Getreideproduktion leider nicht mitgehalten hat, war der Verbrauch. Das liegt in erster Linie an der schwächelnden Weltwirtschaft. Indikatoren dafür sind der dümpelnde Ölpreis und die Stagnation auf den Märkten für Fleisch und Milch. Die Nachfrage hat die zuvor so hoffnungsfrohen Aufwärtskurven nicht halten können. Kein Wunder, dass die Getreideläger rund um den Globus als gut gefüllt gelten und es sehr wahrscheinlich auch sind.
Jetzt wächst, so wie es aussieht, die vierte hohe Getreideernte in Folge heran. Die Nervosität wächst. Nicht nur bei den Bauern. Denn ganz ehrlich: Auch den Händlern gefällt das niedrige Preisniveau nicht uneingeschränkt. Handel treiben lässt es sich besser mit einem gefragten, wertgeschätzten Produkt. Niemand will verramschen.
Was jetzt das Schwungrad im Getreidemarkt noch antreiben kann, ist eine Wettermisere. Irgendwo auf der Welt (und nicht nur in einer kleinen Region) müssten eine Dürre, wiederholte Unwetter oder Überflutungen die Ernte quasi verhageln. Aus diesem Grund starren Analysten und Händler auf die Wetterkarten. Letztes Jahr hat El Niño die Palmölproduktion eingetrocknet mit den sichtbaren Auswirkungen für den Rapsmarkt. Jetzt beschert El Niños kleine Schwester El Niña den bedrohten Ackerbauern Sorgen und dem Welthandel sowie den nicht betroffenen Getreideerzeugern Hoffnung auf steigende Preise. Die wären bitter nötig. Denn zwar lässt sich der hervorragende deutsche Weizen immer verkaufen – siehe Export –, aber er ist bei weitem mehr wert als diese Ramschpreise wie zuletzt.

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