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Europäische Union

Kommission erwartet Getreideproduktion von 312,9 Mio. t

aiz
am
09.08.2016

Wien - Die Europäische Kommission schätzt in ihrer aktuellen Prognose die EU-Getreideernte 2016 auf rund 312,9 Mio. t.

Trotz einer deutlich höher veranschlagten Maisernte (+12,9%) liegen die jüngsten Schätzungen für die Gesamternte nur knapp über dem Vorjahreswert (+0,8%). Die gesamte Produktionsmenge dürfte aber deutlich über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt in der Höhe von rund 306,4 Mio. t liegen. Konkret geht die Kommission von einer Weizenernte von 153,5 Mio. t (-4,1%) aus. Die Maisernte wird um 7,5 Mio. t höher erwartet und soll voraussichtlich 65,5 Mio. t be tragen.

Die jüngste Schätzung des internationalen Getreiderats (IGC) fällt dagegen etwas geringer aus. Sie wurde gegenüber dem Vormonat um 5 bis 6 Mio. t nach unten korrigiert und beläuft sich für die EU auf eine Gesamternte von nur 305 Mio. t. Bei Weizen wird die erwartete Menge mit 149 Mio. t veranschlagt. In den neuesten IGC-Zahlen dürften vor allem die großen Einbußen bei der französischen Weizenernte stärker berücksichtigt worden sein als in der Prognose der Kommission.

Sehr unterschiedliche Ernteergebnisse in den Mitgliedstaaten

In den einzelnen EU-Mitgliedsländern fallen die Ernteergebnisse aufgrund der unterschiedlichen Witterungsbedingungen sehr differenziert aus. Während in den ost- und südosteuropäischen Anbaugebieten (Rumänien, Bulgarien) Rekorderträge gemeldet werden, rechnet man in Westeuropa aufgrund der immer wieder auftretenden Niederschläge seit dem Frühjahr mit einem deutlichen Mengenrückgang. Vor allem aus Frankreich werden starke Qualitätseinbußen gemeldet.

"Aufgrund der jüngsten Entwicklungen in den Mitgliedsländern wird für das Wirtschaftsjahr 2016/2017 in der EU jedenfalls eine hohe Gesamtmenge erwartet, wobei die Weizenernte aber deutlich unter dem Vorjahreswert bleiben wird. Das Exportprogramm wird laut Kommission heuer um 6,2 Mio. t verringert - im Wirtschaftsjahr 2015/16 beliefen sich die Getreideausfuhren der Union auf rund 48 Mio. t. Die Lagerbestände dürften leicht auf 41,2 Mio. t steigen", berichtete heute Christian Gessl, Leiter der Abteilung Marktordnungen und Marktinformation in der AMA.

Ölsaatenernte knapp unter dem Fünf-Jahresschnitt

Bei den Ölsaaten beläuft sich die Gesamtanbaufläche in der EU-28 in diesem Jahr auf rund 11,3 Mio. ha und verringert sich somit nur geringfügig um 200.000 ha. Aufgrund höher erwarteter Erträge bei Sojabohnen und Sonnenblumen wird die Ölsaatenernte der EU auf 31,3 Mio. t geschätzt und dürfte somit knapp unter dem Fünf-Jahresschnitt von 31,5 Mio. t. liegen.

Weltweit rekordverdächtige Ernte erwartet

Bis auf die EU wird heuer in den meisten Hauptanbaugebieten der Welt die Weizenproduktion voraussichtlich steigen. Nordamerika erwartet eine um 8,4% höhere Menge gegenüber dem Vorjahr, in der Ukraine werden die höchsten Erträge seit 20 Jahren prognostiziert. Die russische Ernteschätzung wurde noch einmal nach oben revidiert - auf eine Rekordmenge von 65 Mio. t.

Der internationale Getreiderat hat in seiner jüngsten Prognose die Schätzung für die globale Erntemenge noch einmal deutlich erhöht und geht derzeit von 735 Mio. t Weizen und 1,017 Mrd. t Mais aus. Deutliche Zuwächse bei Mais werden neben der EU auch in den USA (+6,9%) und Brasilien (+14,3%) erwartet. Alle derzeit vorliegenden Prognosen zeigen eine Gesamtgetreidemenge von deutlich mehr als 2 Mrd. t und liegen somit in der Nähe des Rekordjahres 2014/15.

Lagervorräte bleiben auf hohem Niveau

Auch in diesem Jahr wird laut den Experten die Getreideproduktion den weltweit weiter steigenden Verbrauch (2,03 Mrd. t werden 2016/17 erwartet) übertreffen. Die weltweiten Lagervorräte bewegen sich daher weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.

Die Ölsaatenfläche erreicht heuer den Prognosen zufolge mit 234,2 Mio. ha den hohen Wert des Jahres 2014. Während sich die weltweite Rapsernte bereits im dritten Jahr weiter verringert und rund 66,5 Mio. t betragen dürfte, ist bei der Sonnenblume mit einem deutlichen Anstieg (42,4 Mio. t) und bei Sojabohnen mit einem Rekordwert von 325,9 Mio. t zu rechnen. Der Produktionsrückgang bei Raps betrifft die wichtigsten Anbaugebiete in der EU, in Kanada und China. Die US-Sojabohnenernte dürfte aber nahezu das hohe Niveau des Vorjahres erreichen, in Brasilien rechnet man mit einer neuen Rekordernte von über 100 Mio. t.

Preise unter Druck

"Die sehr umfangreichen globalen Lagervorräte und die heuer zu erwartende große Getreideernte beeinflussen weiter die Preisnotierungen am Weltmarkt. Der im Vorjahr bereits eingetretene Rückgang der Weltmarktpreise setzt sich derzeit weiter fort", erläuterte Gessl. Die internationalen Notierungen liegen derzeit bei Weizen um rund 22%, bei Mais um 12% und bei Raps um 10% unter den Höchstwerten der letzten zwei Jahre. Auch die Langzeitprognosen der FAO bis 2025 zeigen einen weiteren Anstieg bei der weltweiten Produktion von Getreide und Ölsaaten.

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