Login
Wetter

Lästige Störung

Thumbnail
Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
27.07.2017

München - Das ist schon lästig, wenn schlechtes Wetter die Pläne durchkreuzt, wenn die Grillparty ins Wasser fällt, die Bergtour abgebrochen werden oder beim Cabrio das Dach oben bleiben muss.

Wolfgang Piller

Oder wenn die lange geplante und mit viel Aufwand vorbereitete Presseveranstaltung doch nicht so toll werden kann, weil sie halt draußen stattfindet und nicht im vollklimatisierten Tagungshotel. Ja, das ist lästig, aber auch nichts weiter. Für die Bauern und Bäuerinnen hingegen ist das nur eines: normal.

Ackerbau ist eine Freiluftveranstaltung – das ganze Jahr über. Leider ist das Wetter nicht mehr so – wie soll man sagen? – zuverlässig. Extreme Wetterlagen häufen sich, es gibt kein Jahr mehr ohne. Heuer erinnern wir uns an den fast niederschlagsfreien Winter, an den Kälteeinbruch zu Ostern und an die Trockenheit im Juni (die dieses Jahr im Süden Bayerns fast noch schlimmer war als im sonst so dürregeplagten Franken). Auch anderswo auf der Welt plagen sich die Bauern mit unkalkulierbarem Wetter herum. Spanien und Italien etwa ächzen seit Wochen unter extremer Dürre. Auch in den USA hat die Trockenheit zu Warnmeldungen geführt.

Und was machen die Märkte? Sie zucken nur kurz einmal auf. Mitte Juli haben die Weizenpreise eine kleine Klippe erklommen. Nur um dann schnell wieder runterzufallen. Was ist da los? Immerhin sind ja die Lager in der EU so leer wie lange nicht und sie werden es in diesem Marktjahr sicher bleiben. Schnell hört man dann die Prognosen der Analysten: Ja in Russland, da ist Weizen genug und außerdem fehlt der Impuls aus dem Verbrauch. Mag schon stimmen, doch zugleich verzehrt die Welt eine Rekordernte nach der anderen, es gibt ja auch immer mehr Menschen, die satt werden wollen (und das ist eine unserer obersten Pflichten). Die Marktakteure scheint das nicht zu kümmern, es wird einfach nur gerechnet und Bilanz gezogen. Unpassendes Wetter sorgt dabei nur manchmal für eine lästige Störung.

 

Auch interessant